DDR-"Asozialen-Paragraf"- Weggenommen und adoptiert: Tim Steinwender im Gespräch mit Antje Riis
Shownotes
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00:00:01: Für mich war wichtig, dass die Bundesrepublik Deutschland anerkannt hat das was mit ihr passiert war ein Unrecht war.
00:00:10: Das Kind macht einen kränglichen Eindruck.
00:00:12: wir warten Ramona darum umgehend in der Polyklinik mit ihm vorstellig zu werden.
00:00:21: Daraufhin begab sie sich zur Polyklingi.
00:00:22: zwischenzeitlich riefen wir Frau Doktor XY aus der Station so und so an mit der Bitte das kind aufgrund sozialer Indikation dort zu behalten.
00:00:33: So ist es auch gekommen.
00:00:35: Meine Mutter fuhr mit mir zu der Prüle Klinik und das war das letzte Mal, dass sie mich im Arm hatte.
00:00:41: Meine Adoption sagte selbst, sagt nichts von Vernachlässigung des Kindes.
00:00:45: Also die Art der Gefährdung ist tatsächlich jungliche Mutti offensichtlich.
00:00:49: Da steht nichts von Kind is nicht sauber, Kind kriegt nix zu essen, Kind is nie warm oder sowas.
00:00:55: Es steht dann nicht.
00:00:57: Sondern Hamonas aufmöpfig, kooperiert nicht, folgt nicht den Anweisungen... Ich hab das glaube ich niemanden erzählt.
00:01:06: Ja, vielleicht auch weil ich Angst hatte dass dann irgendwas passiert das mich gehänselt werde oder Vorurteil dann halt kommt oder sowas.
00:01:21: Aber stelle ich mir schwer vor also muss ja irgendwie sich auch austauschen und ich sage mal die Eltern das ist natürlich eine andere Ebene?
00:01:27: Naja es war ja auch ein Selbstschutz sich der Sache nicht anzunehmen und da nicht hin zu gucken irgendwie schon immer klar, dass das mit Sicherheit nicht schmerzfrei abgehen wird.
00:01:38: Und da hatte ich auch keinen Interesse daran.
00:01:41: Ich hatte irgendwann so den Eindruck... Da ist eine Verbindung, wir müssen gar nicht drüber reden!
00:01:47: Wir wissen was unsere Seelen berührt hat und da war ne tiefe Liebe und ne Tiefe verbundenneidbar.
00:01:57: DDR-Ninzenhundert
00:02:04: achtundsiebzig mein heutiger Gast Tim Steinwender wird geboren.
00:02:09: Seine Mutter Ramona ist fünfzehn Jahre
00:02:11: alt
00:02:12: Doch anstatt Unterstützung zu bekommen, gerät sie ins Visier des Jugendamtes.
00:02:16: Die Begründung für die angebliche Kindeswohlgefährdung ist erschreckend schlicht – Sie lautet «jugendliche Mutti».
00:02:23: Im Alter von nur elf Monaten wird Tim Steinwinder seine Mutter weggenommen und in ein DDR-Wochenheim gebracht.
00:02:31: Wenig später unterschreibt Ramona die Adoptionsfreigabe.
00:02:35: Kurz darauf wird sie wegen sogenannte Arbeitsbumme live verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
00:02:43: Mit sechs Jahren erfährt Tim Steinwender, dass er adoptiert ist.
00:02:46: Jahrzehnte später beginnt er seine leibliche Mutter zu suchen.
00:02:51: Er sichtet Jugendamtsakten Gerichtsunterlagen und Stasi-Dokumente.
00:02:55: Er findet Briefe und sieht nach zehn Jahren Recherche zum ersten Mal ein Foto seiner Mutter.
00:03:01: Die Suche wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit was er herausgefunden hat, wie ihn diese Reise zu seinen Wurzeln verändert hat und warum die Aufarbeitung der DDR-Geschichte noch lange nicht abgeschlossen ist.
00:03:14: Darüber sprechen wir jetzt!
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00:03:38: Wie das geht den Link findest Du in den Show-Notes.
00:03:42: Und jetzt geht es los mit der neuen Folge Born Institute GDA Geschichten aus einem verschwundenen Land.
00:03:48: Dann freue ich mich dass du da bist.
00:03:50: und herzlich willkommen Tim Steinwender.
00:03:53: Hallo
00:03:55: Dein Geburtsname ist Tibor, deine Adoptiveltern haben dich Tim genannt.
00:04:01: Nach dem langen Marathon der Suche nach deinen Wurzeln nach deiner leiblichen Mutter fühlst du dich heute mehr als Tibor oder mehr als Tim?
00:04:13: Das ist eine interessante Frage die mir tatsächlich auch schon ein paar Mal gestellt wurde.
00:04:19: Ich würde das für mich so beantworten dass ich mich ja viel länger in meinem Leben als Tim erlebt habe und Dinge, die ich getan habe als Tim getan habe.
00:04:29: Und daher eher der Tiboron-Teil meiner Persönlichkeit ist oder meines Lebens.
00:04:35: Also ich bin Tim und fertig.
00:04:38: Allerdings stehen beide Namen tatsächlich im Personalauspreis.
00:04:41: Hast du das jetzt nachträglich wieder gemacht?
00:04:44: Nein,
00:04:44: es war schon immer so in der DDR, dass man den Rufnamen unterstrichen hat in seinen Dokumenten und der Timwahl unterstrichten und der Tibora war drinnen geblieben.
00:04:53: Das ist tatsächlich noch als erster Vorname Dritten.
00:04:58: Du bist in der DDR geboren, in Lauter, das ist eine nordsexische Stadt an der Grenze zu Brandenburg direkt.
00:05:08: Hast du im Alter von sechs Jahren erfahren dass du adoptiert bist?
00:05:13: Weil deine Eltern, deine Adoptiveltern, deine Eltern gefragt hast was Adoption ist.
00:05:20: Wie bist du auf die Frage gekommen?
00:05:23: Also ich möchte mich erinnern Fernsehen im Beitrag gesehen hatte, wo das Wort Adoption drin vorkam oder adoptiert.
00:05:33: Und dann habe ich meine Eltern gefragt, was ist das?
00:05:36: Die hatten einen offenen Umgang damit und haben gleich mal die ganze Geschichte auf den Tisch gepackt sozusagen, also wenn nicht nur erklärt, was das technisch ist sondern hatten ein Foto Buch von mir haben das rausgeholt und da stand auch Timo her vorne drauf.
00:05:57: Und da waren Kinderfotos von mir drin im Alter von einem bis zweieinhalb Jahren, die in der Wochenkrippe entstanden sind, in der ich damals war bevor ich adoptiert wurde.
00:06:12: Meinst du du hast vorher schon was gespürt?
00:06:14: Nein.
00:06:16: Also wo?
00:06:16: Das war jetzt wirklich ein Zufall dass dieser Fernsehbeitrag
00:06:19: lief?
00:06:22: Ich gehe mal davon aus, dass es vielen Kindern so geht.
00:06:24: Wenn sie ab und zu Stress mit ihren Eltern haben, dass sie vielleicht mal denken, vielleicht bin ich auch vertauscht worden oder sowas.
00:06:31: Gibt ja auch zahlreiche Filme Romane sonst irgendwas dazu aber so ein inneres Gefühl da irgendwie nicht dazuzugühren hatte ich nicht.
00:06:39: Was haben dir deine Eltern dann über die Adoption erzählt wie Sie dich bekommen haben?
00:06:45: Ja, sie haben mir vor allem erzählt das sie über meine leiblichen Eltern nichts wissen.
00:06:51: Also es war natürlich auch von den Behörden so gewollt.
00:06:55: Es sollte eine restlose Trennung von der Herkunftsfamilie passieren, deswegen hat man den Adoptierenden auch explizit nichts gesagt.
00:07:06: Sie hatten allerdings... Ich habe nämlich noch mein Original-Impfbuch was ich auch schon einmal davon mal mehr oder so dann erstmals befüllt bekommen hatte im Besitz und da war der Name und das Geburtsdatum meiner leiblichen Mutter drin.
00:07:22: Und deswegen wussten meine Eltern, dass sie bei meiner Geburt sehr jung waren, nämlich fünfzehn Jahre.
00:07:28: Und es war so ziemlich das Einzige was ich wusste.
00:07:33: Weißt du warum deine Eltern dir dann noch einen anderen Vornamen gegeben
00:07:37: haben?
00:07:39: Ja, ich glaube, das war sowas wie wir wollen nochmal... Neu anfangen oder so.
00:07:46: Ich meine also, Tim und Thibau ist ja nur nicht weit auseinander.
00:07:50: das haben sie schon ganz clever gemacht finde ich.
00:07:53: Als ich zu ihm gekommen bin war ich zweieinhalb Jahre alt Und habe ja offensichtlich schon auf meinen Namen gehört.
00:08:01: Das ging dann aber wohl doch Problem los.
00:08:05: Du hast keine
00:08:06: Erinnerungen mehr daran?
00:08:06: Ich hab keine bewussten Erinnerung mehr.
00:08:09: Was hat es bei dir als Kind damals verändert zu wissen dass du adoptiert bist?
00:08:19: Schwierig.
00:08:22: Das entwickelt sich ja wahrscheinlich auch erstmal,
00:08:24: ne?
00:08:24: Ja also erst mal... das war natürlich eine ziemlich überfordernde Information erstmal, nicht?
00:08:29: Das hat eine Weile gedauert, dass für mich irgendwie greifbar war und dann war ich so eine ganze Zeit lang weil ich ja auch so viel nicht wusste mit solchen Fragen unterwegs.
00:08:44: wie Hat mich meine Mutter weggegeben, weil sie mich nicht gewollt hat oder weiß ich nicht, oder hat sie was angestellt?
00:08:55: Oder wie auch immer.
00:08:57: Also die Frage nach dem Warum?
00:08:59: Genau definitiv und ansonsten das war wieder irgendeine Erleichterung noch eine Belastung.
00:09:08: Das waren halt diese Fragen.
00:09:10: ja und ich habe die sehr lange bewusst nicht für mich beantwortet.
00:09:16: ... nach einer Antwort darauf gesucht, weil ich mich auch lange in so einem ... ... Loyalitätskonflikt befunden habe.
00:09:22: Ja also dann war so diese Denke... Jetzt hast du eine Familie gefunden, Eltern gefunden die ich aufgenommen haben,... ...die hier im Platz geben zu Hause geben und wenn ich das jetzt mache würde ich sie vielleicht damit verletzen.
00:09:35: Das war lange in meinem Kopf.
00:09:37: Das hat ganz... Hat eine Weile gedauert!
00:09:41: Mit neunzehn stand ich dann das erste Mal tatsächlich vom Jugendamt.
00:09:45: Die Geschichte ging aber nicht gut aus.
00:09:47: Was ist passiert?
00:09:49: Stand ein Schild dran, wir sind umgezogen und ich sah das als winktes Schicksals.
00:09:55: Und bin wieder gefahren und unverrichteter Dinge und es hat dann noch mal... ...sechzehn Jahre gedauert bis ich mich dann endgültig auf die Suche gemacht
00:10:03: habe.".
00:10:04: Wie war denn deine Kindheit in der DDR?
00:10:08: Unspektakulär würde ich sagen!
00:10:12: Ja, ich komme aus einer Kleinstadt oder hab in einer Kleinstadt gewohnt mit meiner Eltern halt im Neubausiedlung Schule direkt am Platz, Grauverlandplatz, Sportplatz, Freunde.
00:10:29: Du und deine Eltern keine Probleme mit dem System?
00:10:33: Ich würde sagen nichts Dramatisches.
00:10:36: Also sie haben natürlich auch... ich glaube sie waren noch sehr daran interessiert nicht irgendwie aufzufallen oder so weil natürlich die Jugendhilfe dann enthebel gehabt hätte.
00:10:48: das haben Sie so nie gesagt ihre Meinung und waren nie Parteimitglieder.
00:10:55: Und kann mich auch nicht an irgendwelche Führredner erinnern, sie waren aber auch nicht offenkritisch.
00:11:06: Bist du denn mit deiner Adoption dann in deiner Kindheit, bist du dann selber die Initiative ergriffen hast konfrontiert worden?
00:11:15: Also war das was, was du mit deinen Mitschülern und Freunden hast du dich da anvertraut oder blieb das zwischen deinen Eltern und dir.
00:11:24: Ich habe das glaube ich niemandem erzählt.
00:11:28: Ja vielleicht auch weil ich Angst hatte dass dann irgendwas passiert gehänselt werde oder einen Vorurteil dann halt kommt, oder sowas.
00:11:42: Aber das stelle ich mir schwer vor.
00:11:44: also man muss ja irgendwie sich auch austauschen und ich sage mal die Eltern das ist natürlich eine andere Ebene?
00:11:49: Naja es war ja auch ein Selbstschutz sich der Sache nicht anzunehmen und da nicht hin zu gucken.
00:11:55: Mir war irgendwie schon immer klar dass das mit Sicherheit nicht schmerzfrei abgehen wird und da hatte ich auch keinen Interesse daran.
00:12:06: Todschweigen im Prinzip.
00:12:10: So ein bisschen was ich in der Generation meiner Oma halt erlebt habe, also der Eltern meiner Adoptivmutter.
00:12:20: die haben bei den Flüchtlingsgeschichten und haben natürlich auch nicht über ihre Geschichte gesprochen weil das sehr schmerzhaft war und Ich will nicht sagen dass ich mich abgeguckt hab aber es war irgendwie gängig.
00:12:30: Also es war normal Dinge nicht auszusprechen die vielleicht schmerzhaft sind, sagen wir mal so.
00:12:42: Du hast also dann mit achtzehn Jahren wahrscheinlich auch der ganze Prozess des Erwachsenwerdens für dir dazu, dass du nach deinen Wurzeln geschaut hast?
00:12:53: Dann standest du vor diesem Standesamt was geschlossen war und umgezogen
00:12:56: war?
00:12:57: Jugendamt Wittenberg
00:12:59: genau.
00:13:00: Und dann hast du es beiseite gelegt?
00:13:03: Dann habe ich es beizeitegelegt und sechzehn Jahre später mich dann noch mal auf den Weg gemacht, ähm... ...zweitausend zwölf.
00:13:11: Da war mein... Ähm... Es war kurz vor der Geburt meines ersten Kindes, also meine Sohnis und mir war klar dass die oder mir wurde klar das die Geschichte Meine Herkunftsgeschichte ist nur ich, die ihm mal zugänglich machen kann wenn er danach fragt weil er nicht Akteneinsichts berichtig sein wird sondern es kann nur ich als direkter Betroffener und auch dann nur in sehr beschränkender Rahmen.
00:13:40: Das war mir auch schon klar, dass es nicht einfach werden wird.
00:13:45: Ich hatte dann meine erste Akten-Einsichtsein Wittenberg direkt vor Ort und habe jetzt mit sonst was gerechnet – weiß ich nicht – eine Hundertzeitenakten oder irgendwas.
00:13:57: Es waren dreißig.
00:13:58: Davon durfte ich, glaube ich, zehn sehen und dreienkubi mitbekommen.
00:14:02: Das ist die Verfügung der Annahme an Kindnessstadt die Geburtsurkunde und noch irgendein Beschluss Ende der Pflegschaft oder so irgendwas.
00:14:15: Was war das für ein Gefühl, diesmal anzuschauen?
00:14:18: Annüchternd!
00:14:19: Ich hab im Prinzip nichts erfahren.
00:14:21: also ich habe ein paar Eckdaten natürlich gehabt.
00:14:24: Sag mal was hast du
00:14:25: gesagt?
00:14:26: Meine Mutter hatte sich dann endgültig und ich glaube sogar den Geburtstort.
00:14:30: Und ich hatte vor allem die Erkenntnis gewonnen dass die abgebende Stelle eine viel umfangreichere Akte hat.
00:14:37: Also ich war ja dort in der annehmenden Stelle, also wo ich hinadoptiert wurde und es gibt noch eine Gegenakte.
00:14:43: Eigentlich die Hauptakte sage ich jetzt mal, die in einer abgebenden Stelle ist und die war in Heuerswerda.
00:14:48: Also quasi der ganze Prozess den deine Mutter durchlaufen musste?
00:14:54: Ja im Prinzip alles was vor der Pflegschaft stand vor der Adoption oder vor dem Rechtskräftigwerden der Adoption, die davor war.
00:15:05: Also ihre Geschichte und letztlich auch meine Geschichte.
00:15:09: Deine Mutter war fünfzehn Jahre alt als du zur Welt gekommen bist?
00:15:14: Was hast Du über die Lebensumstände deiner Mutter vor Deiner Geburt herausgefunden?
00:15:21: Ja also ich habe den Akten entnehmen können dass sie bei ihrer eigenen Mutter natürlich gelebt hat, die ebenfalls allein stehen war.
00:15:33: Meine Mutter war mit fünfzehn Jahren schwanger, wo er auch allein stehend.
00:15:37: Der Vater hat die Vaterschaft nicht anerkannt und sie lebte in dem Haushalt ihrer Mutter mit noch drei weiteren jüngeren Geschwistern zusammen.
00:15:45: Ich habe das Haus auch mal gesehen in Lauter Stand da davor.
00:15:49: Jetzt ist es schön renoviert seit so einer zwanziger dreißiger Jahre Siedlung sondern Industriesiedlung eigentlich ganz schön.
00:15:56: Und des Hauses was jetzt ist Davon war es aber nur die Hälfte sozusagen.
00:16:03: Also, die haben wirklich ein Bankt gewohnt.
00:16:05: Ich weiß nicht, wenn ich das schätze, muss da vielleicht fünftig Quadratmeter und kein eigenes Zimmer.
00:16:13: Ab wann hatte das Jugendamt deine Mutter im Visier?
00:16:17: Und warum?
00:16:19: Ja... also in Dezember-Achduin-Siebzig war ich geboren und dann ist schon die Rechtslage halt so dass eine Fünfzehnjährige halt nicht das Erziehungsrecht allein nicht ausüben kann in der DDR Und deshalb muss geprüft werden, ob ein anderer Volljähriger dazu befähigt ist.
00:16:40: Das schreibt das für mich in den Gesetzbuch ziemlich klar vor.
00:16:42: Gibt es eine klare Reihenfolge?
00:16:44: und erst der vierte Absatz dieser Prüffolge ist dann dass die Jugendfürsorge die Vormundschaft übernimmt?
00:16:52: In meinem Fall hat die Jugendführsage schon im Februar neunundsebzig also drei Monate nach meiner Geburt die Vormundschaft übernommen, das geht aus den Akten hervor.
00:17:02: und erst zwei Monate danach hat sie überhaupt ein Hausbesuch gemacht um sich vor Ort einen Eindruck zu machen.
00:17:10: Und dann festgestellt welche Überraschung dass sie natürlich nicht in der Lage ist das Kind selber zu erziehen.
00:17:16: trotzdem habe ich dann immerhin elf Monate in ihrem Haushalt gelebt.
00:17:19: also für Sophie hat es dann offensichtlich doch gereicht.
00:17:23: Du hast das so klar definiert, weil ich glaube dieser Begriff ist auch einer der dich sehr tragert oder sehr berührt.
00:17:32: Die Art der Gefährdung des Kindes laut Jugendamt war jugendliche Mutti?
00:17:38: Genau!
00:17:40: Also in dieser Verfügung, in dieser Anordnung Fürsorge durch das Jugendamt ist halt die Art der Gefährdung benannt, warum die Jugendfürsorge eben handeln muss und die Begründung heißt halt Jugendliche Mutti.
00:17:59: Das war es.
00:18:02: Ich habe mich gefragt, warum deine Oma nicht ins Spiel kam?
00:18:08: Das habe ich mich auch gefragt.
00:18:10: hat sich die Jugendhilfe allerdings dann ausgelassen und meint dass sie ja aufgrund ihrer eigenen Werktätigkeit und dem Umstand schon drei jüngere Kinder noch selbst zu versorgen hat und alleinstehendes, beengt wohnt nicht infrage kommt.
00:18:25: Und ein weiteres Familienumfeld weiß ich nicht ob man das untersucht hat oder nicht es geht nichts aus den Akten hervor.
00:18:32: Da hat man sichs wahrscheinlich relativ einfach gemacht?
00:18:34: Ja das kann ich schwer beurteilen aber ich kenne die prüfreien folge und die heißt natürlich erst mal... ...kommt ein Vater infrage.
00:18:44: Die nächste Prüfreieinfolge wäre verwandene ersten Grad ist Das wär dann die Oma.
00:18:48: Die nächste Prüfreinfolge oder der dritte Part ist dann alle an Erziehung beteiligten Kräfte.
00:18:53: Das ist in der DDR ziemlich weit gefasstes Spektrum an Personen, das können Lehrer, Leute aus dem Verein, Onkel, Tanten, enge Freunde sein.
00:19:07: Also dass im Prinzip ist ja quasi das Einfallstor für Willkür und das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit.
00:19:16: Ja, ich habe überlegt ob das hier ein Verwaltungsunrecht ist oder nicht.
00:19:20: Aber ich möchte mich nicht auf den schmalen Grad begeben zumal die Aktenlage ja nicht vollständig ist.
00:19:25: Also meine Mutter selbst hat auch eine Jugendhilfeakte natürlich, die ich nicht einsehen kann
00:19:30: bzw.,
00:19:32: die wohl auch nicht mehr da ist weil der Aufbewahrungsfrist dafür schon verjährt ist.
00:19:37: Für Adoptionsakten ist er Gott sei Dank hundert Jahre.
00:19:40: Ist auch richtig so finde
00:19:42: Auf jeden Fall, weil manchmal dauert es eben ein halbes Leben bis man an dem Punkt ist.
00:19:49: Also ich kenne auch sehr viele Personen im Rentenalter die dann Zeit hatten und sich dann auf diese Ruhe gemacht haben und sie haben halt das Glück dass wenn noch was da ist ja auch einiges neunundachtzig neunzig vernichtet worden in diesem Bereich.
00:20:06: Dann werden Sie Gott sei Dank noch für mich.
00:20:09: Wir kommen später noch auf das Unrecht, was im Prinzip noch schwerer wiegt.
00:20:15: Was deine Mutter betrifft.
00:20:17: Als du elf Monate alt warst, wurdest du deine Mutter weggenommen?
00:20:24: Was weißt Du über diesen Umstand?
00:20:27: Wie kam es dazu?
00:20:29: Ja ich habe der Adoptionsakte entnommen dass die Mütterhilfe einen Besuch bei ihr machte.
00:20:34: Ich versuche mal so zu erinnern was da drin steht.
00:20:36: Das Kind macht einen kränglichen Eindruck Ramona darum, umgehend in der Polyklinik mit ihm vorstellig zu werden.
00:20:46: Daraufhin begab sie sich zur Polyklingi.
00:20:48: zwischenzeitlich riefen wir Frau DrXY aus der Station so und so an... ...mit der Bitte das Kind aufgrund sozialer Indikation dort zu behalten.
00:20:59: So ist es auch gekommen.
00:21:00: Meine Mutter fuhr mir mit zu der PolyKlinik und das war das letzte Mal dass ich mich im Arm hatte Und von dort aus bin ich dann in eine Wochenkrippe gekommen und da war ich dann bis zu, bis ich zweieinhalb Jahre alt war.
00:21:20: Hast du dazu noch ein Gefühl?
00:21:22: Eine Erinnerung?
00:21:24: Nichts Bewusstes!
00:21:26: Also nichts was sich so in Worten ausdrücken kann das ist ja... Das ist wahrscheinlich eher etwas was ich da reinprojektiere.
00:21:37: also es ist wirklich nicht bewusst.
00:21:38: ist wirklich nichts mehr daran?
00:21:41: Von der Wochenkrippe aus bist du nicht noch mal nach Hause
00:21:44: gekommen?
00:21:45: Nein.
00:21:49: Es war so, meine Mutter wurde das Besuchsrecht untersagt.
00:21:51: Sie musste ja erst einmal zeigen dass sie ihre Verhaltensweise gebessert hat.
00:21:57: also die soziale Indikation bestand darin, dass meine Mutter laute Musik hört in Gaststätten gesehen wurde bei Tanzveranstaltungen Dass ihr beengt wohnt dass sie nicht arbeiten gegangen ist.
00:22:29: Und dann ist sie offensichtlich den Forderungen der Jugendführsorge nachgekommen, denn sechs Monate später hat man ihr erstmaligen Besuchsrecht eingeräumt.
00:22:43: das hat sie dann auch bis Anfang eighty-one Nachweislich fünfmal wahrgenommen und wohl auch einen Wochenender war ich mal mit ihrer Mutter bei ihr zu Hause.
00:22:57: Das war alles dokumentiert.
00:22:58: Das
00:22:59: entnehm ich den Unterlagen, ja auch schwierig natürlich.
00:23:04: Die Mutter ist weg und dann macht man solche Sachen.
00:23:07: also benutzt das Kind als Erziehungsmittel ohne sich zu fragen was es vielleicht mit der Beziehung zwischen Mutter und Kind macht, ja also schwierig.
00:23:19: Mit achtzehn hätte er eine Rückübertragung anstanden aufgrund der Volljährigkeit deiner Mutter?
00:23:27: Und dazu gibt es dann anscheinend, gab's da eine DDR-Verhandlung und an der ist seine Mutter oder zu der ist deine Mutter nicht erschienen.
00:23:35: Und dann nur wenige Tage später hat sie dann die Adoptionsfreigabe unterschrieben?
00:23:42: Ja richtig!
00:23:44: Im Mai Eighty war diese Besprechung, in der waren sag ich mal auf Seiten meiner Mutter, die nicht da war.
00:24:00: Nur sie und auf der anderen Seite neben mehreren Mitarbeitern der Jugend- und Mütterhilfe auch ein Vertreter des Betriebes.
00:24:11: Der Betrieb hat sich dort auch ausgelassen um das Kinderheims.
00:24:19: Ja, die Rolle der Arbeitskollegen wie groß war die?
00:24:24: Also was wurde da ausgesagt?
00:24:29: hat eine Stellungnahme zur Erziehungsfähigkeit meiner Mutter abgeben müssen.
00:24:34: Das fragt mich natürlich auch, mit welcher Kompetenz dies geschah also vonseiten des Betriebes welche Kompetenzen herrschte.
00:24:44: Der Tenor war dann jedenfalls am Ende.
00:24:48: Ramona muss durch den Entzug des Kindes klar gemacht werden dass es so nicht weiter geht.
00:24:53: Also ich paraphrasiere stand etwas anders da.
00:24:56: aber später Ein Jahr später wird dieses Kollektiv denselben Wortlaut nochmal benutzen, um sie dann letztlich in Haft zu bringen oder ihre Haft befürworten.
00:25:09: Also ihr muss auf diesem Wege klar gemacht werden dass solche Verhaltensweisen nicht zu dulden sind.
00:25:15: Das ist zweimal die Auslassung des Betriebes.
00:25:18: Dazu einmal führt es halt zu meiner dauerhaft nach Heimunterbringung denn darum ging's damals im Wesentlichen.
00:25:25: Übertragung der Fürsorge an Sie wäre eine andere Möglichkeit dazu gewesen.
00:25:30: Und später dann als Ihre Verurteilung nach twoinen vierzig.
00:25:36: Ja, und das ist im Prinzip Man kann es ja nicht gewichten, aber zumindest in der Aufarbeitung ist das dieser zwei neunvierzig ein Paragraf, den es in einem Rechtsstaat nicht geben kann und dürfte.
00:25:49: Und auch nicht gibt weil er wie gesagt eben Willkür Tür und Tor öffnet.
00:25:56: vielleicht für diejenigen, die das jetzt nicht ganz auf dem Schirm hatten.
00:26:01: oder haben wir ich natürlich auch nicht bevor Ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe?
00:26:07: Also deine Mutter war in U-Haft und ist dann zu vierzehn Monaten Haft verurteilt worden aufgrund von Arbeitsbomelai, also dass sie nicht regelmäßig zur Arbeit gegangen ist.
00:26:23: Und dieser sogenannte asozialen Paragraf, auch ein ganz schlimmes Wort.
00:26:30: Der kam dann hier zum Tragen und der heißt Gefährdung der öffentliche Ordnung durch asoziales Verhalten.
00:26:36: Ich will das mal kurz zitieren damit man den ganzen Bestand aufgreifen kann und auch das Absurde daran sehen kann.
00:26:46: Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdet, dass er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzieht obwohl er arbeitsfähig ist oder wer der Prostitution nachgeht, oder wer sich auf andere unlautere Weise Mittel zum Unterhalt verschafft wird mit Verurteilung auf Bewährung oder mit Haftstrafe Arbeitserziehungen.
00:27:09: Oder mit Freiheitsstreifen bis zu zwei Jahren bestraft.
00:27:13: zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkungen und auf staatliche Kontrolle und Erziehungsaufsicht erkannt werden.
00:27:20: Und wenn man schon vorbestraft war, kann das Ganze bis auf fünf Jahre ausgedehnt werden.
00:27:29: Welche Begründung für das Urteil konntest du bei deiner Mutter finden?
00:27:34: und ja, also was hast Du da in Erfahrung bringen können?
00:27:40: Ja.
00:27:43: Ich meine maßgeblich ist natürlich die Arbeitsbummelei, die da beziffert wurde mit über siebzig F-Schichten, also Fehlschichten.
00:27:55: dazu kommt noch dass sie Dass sie wohl Streit mit ihrer Mutter hatte und dass sie Kontakt zu auffällig gewordenen Personen hatte, ich meine so hieß es.
00:28:12: Das sind ja alles keine Gründe für Gefängnis?
00:28:14: Natürlich
00:28:15: nicht.
00:28:15: Es kommt auch noch erschwerend hinzu oder was heißt erschweren?
00:28:19: das kommt noch dazu eine zahlreiche Anzahl dieser F-Schichten hat sie verfahren Weil sie hatte einen Verkehrsunfall, war auch im Krankenhaus und danach in Krankenschreibung.
00:28:30: Und ist halt am Ende ihrer Krankschreibung auf einer Tanzveranstaltung gesehen worden.
00:28:34: Daraufhin ist ihr die komplette Krankeschreibung einschließlich Krankenhausaufenthalt auch noch aberkannt worden.
00:28:40: also das so ein Teil davon.
00:28:43: ich kann mir auch vorstellen dass es wahrscheinlich Sachen gab oder Vorfälle gab.
00:28:48: dann ist hier auch nichts zur Arbeit gegangen.
00:28:50: warum auch immer?
00:28:51: darüber ist leider nichts in der Akte ersichtlich.
00:28:55: Also die Gründe, warum sie nicht arbeiten geht sind nicht benannt nur der Umstand da sie nicht Arbeiten geht und dann wird ihr natürlich noch übermäßige Alkoholkonsum vorgeworfen.
00:29:04: Aber nochmal keine Gründe um jemanden ins Gefängnis zu stellen.
00:29:09: Nee im Rechtsstaat ist es ja so Der Arbeitgeber wird frei von seiner Pflicht dem Arbeitnehmer ein Gehalt zu zahlen wenn er seine Wenn er dem Arbeitsvertrag nicht nachkommt und dann hat er die Möglichkeit, ihn fristlos zu entlassen.
00:29:25: Das sind die Rechtsfolge in einem Rechtsstaat.
00:29:27: In der DDR ist die Rechts Folge dass man eine Verurteilung nach twohundvierzig ausgesetzt ist was man die Faktor als Arbeitszwang definieren könnte.
00:29:41: Was hat das mit dir gemacht diese ganzen Sachverhalte zu lesen?
00:29:47: Und auch mitzukriegen, dass deine Mutter eben keine Unterstützung bekommen hat als junge Mutter und ich sage mal man hätte ja sich um Wohnraum kümmern können oder eben schauen können.
00:30:02: Ich meine das Beste ist ja immer, dass ihr das Kind bei der Mutter ist.
00:30:08: Was hat dieser ganze Prozess dieses Herausfindens mit dir gemacht?
00:30:15: Naja, dieser herausfindende Prozess hat ja sehr lange gedauert.
00:30:19: Ich habe mich zum ersten Mal auf die Suche gemacht und dann hatte ich meine Adoptionsakte irgendwann nach sechs bis sieben Jahren so weit, dass ich dort Informationen hatte, die weiterführend sind als die Beschreibung der Lebensumstände von Standen ging, weil ich halt viele Sachen die meine Mutter betrafen nicht sehen durfte.
00:30:49: Ich habe dann immer wieder Folgeanträge gestellt und habe immer wieder auf das Recht erkennt, dass mein eigenen Herkunft hingewiesen hat.
00:30:56: Dann mal im Jahr zwei Tausendsehnten Praktikum in der Stasi Unterlagenbehörde in Leipzig gemacht.
00:31:05: Und dann ist mir die Idee gekommen, das wäre doch was nach Stuck?
00:31:09: Vielleicht war eine Einsicht... in eine Stasiakte zu nehmen, vielleicht gab es ja sowas.
00:31:16: Und dann gab es tatsächlich die Information.
00:31:20: Es gibt eine Akte für meine Mutter.
00:31:22: Ich kann nie aber nicht einsehen, es sei denn ich könnte den Nachweis erbringen dass sie verstorben ist oder ich habe ihre Zustimmung.
00:31:28: Also das Stasi-Unterlagen-Gesetz PAKA XV regelt Dass auch adoptierte Kinder nach rechts kräftig werden der Adoption Für ihre leiblichen Eltern Einsicht nehmen können entweder mit deren Zustimmung Oder nach dem Versterben.
00:31:40: halt.
00:31:40: Das ist fantastisch.
00:31:42: kein anderes Gesetz, das so weitreichend ist was Einsichten angeht.
00:31:46: Und dann hieß es halt jetzt Kontakt mit ihr aufzunehmen ein Verständnis einzuholen oder die Erkenntnisse solange sie es verstorben.
00:31:53: ich hatte dann den Antrag entsprechend gestellt in Neujahrswerda im Jugendamt und habe dann einen Anruf bekommen.
00:32:01: Ich möchte doch bitte nach Neujährswerder kommen.
00:32:02: Es gibt etwas zu müssen.
00:32:05: miteinander sprechen und ich meine denen am Telefon nicht war ein bisschen kurz angebunden hab gesagt wenn Sie mir sagen wollen dass sie verstromn ist angstet mir noch bitte Ich kann damit umgehen.
00:32:15: Und dann war die Information, ja ich schreibe hier noch mal was dazu aber ihre Mutter ist verstorben.
00:32:22: Also meine mutter war schon zwei tausend fünf verstormen Lange bevor ich mich auf die suche gemacht habe.
00:32:28: Aber damit hatte ich dann die möglichkeit mehr information zu bekommen als ich bisher hatte.
00:32:34: und das war sich bis er hat.
00:32:35: er war jetzt sehr übersichtlich war ein Teil meiner Adoptionsakte.
00:32:39: Ich glaube, der in Heuerswerde hatte achtzig Seiten davon hat ich ungefähr die Hälfte und deren Wittenberg das waren ungefähr dreißig Seiten, davon hatte ich vielleicht zehn oder so.
00:32:50: Und jetzt mit dieser Stasi-Sache ist halt noch mal ein anderes Aktenfeld sozusagen möglich.
00:32:58: Ja, ich hatte irgendwann auch zwischenzeitlich mal gelesen in einer Adoption Akte etwas von Unterhaltszahlung aus Justizbezugsanstalt.
00:33:07: Es hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass sie in Haft war.
00:33:11: und dann habe ich diese Akte beantragen wollen, die Stasiakte und da bin ich schon auf mein erster Sinnes gestoßen.
00:33:19: Ich brauchte eine Sterbo-Kunde Und die wurde mir verweigert vom zuständigen Standesamt mit dem Verweis darauf, dass ja ich keine Rechte mehr habe.
00:33:28: nachrechtskräftig werden der Adoption was meine lebliche Mutter betrifft.
00:33:32: Na ja, dann habe ich einen Widerspruch geschrieben und die Begründung war, lesen wir bitte in Absatz zwei des Paragrafen.
00:33:40: Der sagt es sei denn diese Rechte resultieren zu einem Zeitpunkt vorrechtskräftig werden der Adoption?
00:33:46: Die Kenntnis meiner Herkunft ist er wohl vor der Adopition beziehungsweise die Umstände, die zu meiner Adoptionen führten und die Geschichte meiner Mutter ebenso.
00:33:55: Denn ich hatte dann schon ins Feld geführt dass sich nach § I Strafrechtsbereinigungsgesetz meine Mutter versuche recht staatlich zu rehabilitieren.
00:34:06: Das war damals nur eine Idee, das war eine große Hilfe weil man muss immer sein rechtliches Interesse begründen.
00:34:12: ob ich das dann wirklich mache oder nicht wusste ich noch nicht aber das hat gezogen.
00:34:16: und dann habe ich nach kurzer Zeit auch die Sterberokunde gehabt damit die Stasiakte und dann ging es weiter.
00:34:22: Was war in der Stasiakte neu für dich?
00:34:26: Also ich wusste ja, wieso was aussieht und was das ist.
00:34:29: Mir war klar, da gibt es eine VSH-Kartei vor Versuchshilfs-, Vorverdichtungssuchs- und Hilfskartei.
00:34:35: So ein DINAV-Kärtchen mit Vorder- und Rückseite beschrieben im Wesentlichen die Daten... Das, was
00:34:41: wir alles am Leben der anderen gesehen
00:34:43: haben?
00:34:43: Ja genau sowohl!
00:34:45: Und was da aber noch drauf ist wenn's ne Fortgesetzakte ist, ist natürlich ein Verweis auf einen anderen Akten Bestand.
00:34:54: Und das war tatsächlich auf der Akte meiner Mutter.
00:34:56: darauf, gab es eine ZMA-Nummer also zentrale Materialablage in Heuerswerde hatte offensichtlich was die Kreisdienststelle Heuernswerder hatte etwas.
00:35:04: Die Stasiunterlagenbehörde hat mir aber auch mitgeteilt dass der ZMA bestand in Neueswerden fast vollständig vernichtet ist und auch die Akte meine Mutter nicht mehr physisch vorhanden.
00:35:12: Das heißt diese echte Stasiakte sage ich jetzt mal Ist nicht mehr da und die Information hatte ich nicht.
00:35:20: Aber Ich hatte dabei noch ein Dienervierblatt eine Strafnachrichtenkartei.
00:35:27: Das hat die Stasi für jeden inhaftierten NRDDR ebenfalls mitgeführt, hätte ja mal nutzbringend sein können und darin ist neben der Art der Verurteilung der Haftstrafe und dem Unterbringungsort auch ein Verfahrens-Aktenzeichen benannt.
00:35:51: Und damit hatte ich wieder neues Aktenzeichen anderen Stellen stellen.
00:35:58: Aber in der Stasiakte hast du auch noch was Einmaliges gefunden, was du bisher nicht kanntest?
00:36:06: Ja okay jetzt bin ich gespannt.
00:36:10: was habe ich da gefunden?
00:36:11: Ich denke du hast erst mal ein Foto von
00:36:13: deinem Teil.
00:36:13: Nein nein das kam erst viel später.
00:36:17: Nein, nein.
00:36:18: Also wie gesagt es waren wirklich dann nur diese zwei Seiten.
00:36:22: Ich dachte an der Karteikarte.
00:36:23: war das dran?
00:36:23: Die Karteikkarte ist eine Akte die noch später kommt.
00:36:27: Es ist wirklich so ein bisschen Akten-Odyssee sage ich mal.
00:36:29: Ja, in jedem Fall.
00:36:30: Diese Stasiakteneinsicht habe ich dann im Jahr twohntausend neunzehn gehabt also sieben Jahre nachdem ich mich auf die Suche gemacht hab und darauf wie gesagt Der verweist auf eine Strafakte beim Kreisgericht Heuerswerder.
00:36:50: Dann habe ich das Amtsgericht als Rechtsnachfolge angeschrieben, in der Hoffnung, dass die was haben und habe auch zwei Wochen später einen richtig dicken Brief zurückbekommen, war im Briefkrassenamt das Ding gesehen und hab gedacht, krass macht es auf ist mein Schreiben zu unserer Entlastung schicken wir ihm ihr Schreiben zurück und verwalsen aber darauf, dass der gesamte Aktenbestand aus DDR-Zeiten bei der Staatsanwaltschaft Kotbus liegt.
00:37:13: Okay, okay, habe ich Kotbus angeschrien Und dann auch relativ zügig eine Antwort von denen bekommen.
00:37:18: Ja, hier gibt es die Verfahrensakte ihrer Mutter im Umfang von über achtzig Seiten.
00:37:24: Wir machen alles fertig und dann hatte ich was Substanzielles womit ich dann doch die Rehabilitation meiner Mutter anstreben konnte oder
00:37:34: auch persönliche Dinge drin, die du erfahren
00:37:37: konntest?
00:37:37: Ja also hat noch mal eine Weile gedauert bis sich die Akte dann natürlich tatsächlich bekommen habe.
00:37:42: Es war ein enges Zeitfenster weil in den neunzehn endete die Rehabilitierungsfrist für ... sag ich mal, nach Strafrechtsbereinigungsgesetz.
00:37:58: Ich rief dann jedenfalls irgendwann mal an, als es mir zu lange gedauert hat... ... ich glaube, ich habe vier Monate auf die Akte gewartet und da war eine freundliche Mitarbeiterin hier und gesagt, ja leider ist die Kollegin erkrankt aber ich schaue mal hier gegenüber.
00:38:07: Ja ihr ganz oben in der Ablage liegt ja ihre Akte diese schon fertig.
00:38:11: wo soll ich ihn hinschicken?
00:38:12: Und da hatte ich die drei Tage später Gott sei Dank Und habe dann bis Oktober diesen Antrag gestellt und in der Akte dann viele Sachen gelesen, genau unter anderem das Protokoll zur Gerichtsverhandlung.
00:38:24: In dem sich meine Mutter sozusagen auslässt.
00:38:27: Das war dann das erste Mal dass ich sozusagen ein persönliches Statement von ihr in irgendeiner Art und Weise gelesen hatte.
00:38:35: Bis dahin waren es immer nur Berichte Dritter.
00:38:38: Und das waren so die ersten Worte sozusagen, die von ihr protokolliert waren.
00:38:51: in der Akte selbst war ziemlich viel auch tatsächlich drin, was ich aus meiner Adoptionsakte schon kannte.
00:38:56: Auch die Einlassung zum Betrieb.
00:38:59: Man muss dazu sagen meine Mutter hat im Sommer einundachtzig die Freigabe an Kindesstadt so heißt das unterschrieben zehn Tage nach dieser Verhandlung von den Erwaffen gesprochen haben wo es darum geht ob ich ins Heim komme oder sie die Sorge kriegt.
00:39:15: wie die Unterschrift zustande gekommen ist weiß ich nicht.
00:39:19: Sie hat jedenfalls bei dem Gerichtsverfahren schon geäußert, die Jugendhilfe hat mir das Kind weggenommen.
00:39:24: Das war schon mal ziemlich krass das zu lesen so von ihr.
00:39:30: Ob sie äußert es und damit ist das ihre Empfindung ob das so war objektiv gesehen oder nicht will ich gar nicht beruht werden.
00:39:39: für mich war wichtig sie hat das als Verlust empfunden und das ging schon sehr nah.
00:39:49: Dann hatte ich diesen Antrag gestellt.
00:39:50: Das war der längste Antrag meines Lebens, den ich hier geschrieben habe.
00:39:53: Neun Seiten Antragsbegründung, zwei Seiten Begründungen des rechtlichen Interesses, dreißig Seiten Anhänger.
00:40:00: und vier Monate später im Februar zwanzig hab' ich von einer Staatsanwaltschaft Cottbus die Informationen bekommen.
00:40:06: Die Staatsanwältschaft folgt meinen Ausführung.
00:40:09: Es wird in kürze Notherr ergehen.
00:40:12: Und nach sechs Monaten hatte ich dann... Die rechtsstaatliche Rebellierung meiner Mutter, sie saß zu Unrecht in Haft.
00:40:19: Es ist Haftentschädigungswürdig.
00:40:22: Ja wie immer Sie es verstorben Ihre Angehörigen könnten Ansprüche gelten machen.
00:40:28: ich kann's nicht weil nachrechts kräftig während der Adoption aber auch nicht Geld geht das natürlich nicht.
00:40:34: für mich war wichtig dass die Bundesrepublik Deutschland anerkannt hat dass das was mit ihr passiert war ein Unrecht war.
00:40:42: Ich habe das natürlich in meinem Antrag dann auch mich damit beschäftigt und so argumentiert.
00:40:48: Artikel fünf europäische Menschenrechtskonventionen, niemand ist zur Arbeit zu zwingen.
00:40:55: Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, freier Recht der Arbeitswahl, BGB hat es schon zitiert.
00:41:03: also das sind alles rechtsstaatliche Sachen
00:41:07: ja.
00:41:08: Warum ist es dir wichtig gewesen dass du diese Rehabiliterung erreichst?
00:41:15: Naja, das gibt im Prinzip so zwei Dimensionen.
00:41:19: Erstens war natürlich für mich persönlich um da ein bisschen mit in Frieden zu kommen dass meine Mutter nicht kriminell war sondern ihr Verhalten kriminalisiert wurde.
00:41:29: sie hat nicht gestohlen oder zumindest nicht so lange wie die Stasiakte geht und die geht bis neunzig.
00:41:37: und dann gibts eine Abschlussverfügung die alle dicht gemacht werden, sagen wir mal so.
00:41:47: Konntest du denn sehen wie lange deine Mutter in der Stasi aktiv
00:41:52: ist?
00:41:53: nach Ende ihrer Haft und dann noch mal, möchte ich sagen sechs Monate nach Ende Ihrer Haft.
00:41:58: Also das muss dreiundachtzig gewesen sein.
00:42:01: Nee, vierundachtzig glaube ich, naja jetzt hat er nochmal geheiratet hatte.
00:42:03: Und danach haben Sie sie in Ruhe gelassen?
00:42:05: Dann steht nichts mehr drin.
00:42:07: also sie ist nicht mehr auffällig geworden, sagen wir es mal so... In der Stasiakte selbst, in den Strafnachrichten stand auch drinnen entstandener Schaden in Mark Null.
00:42:15: Es war aber sehr hilfreich für meine Argumentation weil jemanden zu rehabilitieren, der nach zwei neunundvierzig verurteilt ist.
00:42:23: Ist nicht einfach.
00:42:25: oder sagen wir mal die Rehabilitätsquote liegt in Brandenburg bei ca.
00:42:28: zehn Prozent.
00:42:31: Das war sozusagen ein Glücksfall dass ich diese Aktenlage hatte und das so eindeutig war.
00:42:36: Ernestie Stasi schreibt Schaden null Mark.
00:42:38: damit es schon Mal ist die Spur schon mal klar, dass man sagen kann es geht hier nur um das um die Arbeitsbummelei.
00:42:45: und im Wesentlichen ist es so, dass in dem Urteil was das Gericht damals gefällt hat.
00:42:50: Einenundachtzig bei der Verurteilung meiner Mutter, dass der wesentliche Umstand auf den ihr abstellen halt tatsächlich... ...das ist, dass sie nicht arbeiten gegangen ist.
00:42:59: Dass sie sich da mit offenlich gewonnenem Person trifft.
00:43:05: Also dafür konnten sie sie nur wirklich nicht einknassen.
00:43:09: Das war halt in einem Urteil natürlich mit drin und auch dass sie Alkohol trinkt, um das Ganze noch ein bisschen auszuschmücken.
00:43:17: Aber was man brauchte war ja – du hast vorgelesen – dieses Arbeitsscheuer, was man damit nachgewiesen hat.
00:43:26: Daraufhin ist sie dann in Cottbus in Urhaft gewesen und später in Leipzig in der Haftanstalt.
00:43:34: Wann war sie noch in Leibzig in den Haftanstall?
00:43:38: Sie waren glaube ich nur zehn Tage in Urhaft.
00:43:41: Ich glaube, da war das in der Alfred-Kestner-Straße.
00:43:47: Da
00:43:50: lief mir auch ein kalter Schauer über den Rücken, weil ich habe in dieser Zeit in diesem Gefängnis trainiert.
00:43:59: Es ist schon spooky manchmal wie so die Dinge zusammenhängen.
00:44:11: Hast du denn sonst noch Erkenntnisse, was mit deiner Mutter passiert ist?
00:44:16: Weil du jetzt Haftanstalt sagst das war natürlich der nächste oder sagen wir jetzt eigentlich große letzte Fundort von Dingen zur Geschichte meiner Mutter.
00:44:26: Mit der Rehabilitierung hatte ich ja dann auch sage ich mal etwas in der Hand um vielleicht für meine eigene Person nochmal irgendwas anzuschieben.
00:44:37: bzw bei der Gründung des rechtlichen Interesses kann ich jetzt sagen, sie saß so unrichtendhaft und ich möchte die Haftumstände aber näher erfahren als Angehöriger.
00:44:50: Und dann habe ich der Haftanstalt in Leipzig geschrieben ob Sie nicht noch eine Haftunterlagen zu meiner Mutter haben und mir die zugänglich machen können.
00:45:00: Wie ich mir das angewöhnt habe in allen meinen Schreiben am Ende zu formulieren, habe ich da natürlich auch formuliert.
00:45:05: Sie sind die einzige Stelle, die mir meine Geschichte zugänglig machen kann.
00:45:11: Ich bitte Sie meinem Wunsch zu entsprechen.
00:45:13: Ich bin bereit, Kosten in jedem Umfang zu übernehmen und so war es ja tatsächlich auch.
00:45:20: Es konnte mir keiner was sagen.
00:45:21: Meine Eltern als meine Adoptiveltern konnten mir nichts sagen weil sie nichts wussten.
00:45:27: die Jugendämter da haben natürlich mittlerweile andere Mitarbeiter gearbeitet als noch gehe ich davon aus, dass man tunlichst vermieden hätte die mit ihren älteren Fällen zu konfrontieren.
00:45:45: geschenkt.
00:45:46: Für mich war klar es sind die Behörden und das sind die Schriftstücke aus denen ich was nehmen kann.
00:45:53: Ich habe dann auch in dem Zuge der Rehabilitation meiner Mutter erfahren, dass meine leibliche Oma, zu dir hätt' ich ja auch Kontakt haben können.
00:46:03: Das Jahr, in dem ich mich auf die Sorgen gemacht hab verstorben war Und da mein erblicher Opa nicht mit dem Haushalt gelebt hat, kann ich halt keinen direkten Kontakt mit ihm aufnehmen.
00:46:14: Ich habe es über das Jugendamt Heuerswerder mal versucht.
00:46:18: Sie haben ihn angeschrieben ganz tollen freundlichen Brief.
00:46:20: Ich durfte den auch mal lesen und so ganz unaufdringlich auch aber er hat nie darauf geantwortet.
00:46:25: und... ...ich dring mich auch nicht auf.
00:46:28: Er wird seine Gründe haben warum er nicht in Kontakt gehen will.
00:46:33: dann ist das so.
00:46:33: Und
00:46:36: aus den Haftunterlagen,
00:46:40: da gab es persönliche Dinge auch.
00:46:41: Das war ja... Also ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich sowas nochmal bekommen und Haft-Unterlagen waren auch ziemlich umfänglich.
00:46:46: Ich glaube auch knapp hundert Seiten.
00:46:51: Weil du das Foto angesprochen hast aber natürlich an einem Nesebogen.
00:46:53: dabei ist körperliche Beschreibung meiner Mutter, also nicht ein Sechzig, eine Tätowierung gerade irgendwo ne kleine Ohrringe, was weiß ich?
00:47:05: Diese Sachen.
00:47:07: Und ein Foto!
00:47:09: Da das aber eine Schwarz-Weiß-Kopie war, die ich da bekommen habe oder die ganze Akte hab' ich in der Schwarz Weiß Kopie bekommen... ...war das Foto auch wirklich richtig üben.
00:47:19: Man konnte fast nichts erkennen und dann habe ich halt nochmal die Haftanstalt angeschrieben.
00:47:23: Ich hab darum gebeten dass mir doch bitte noch hoch auflösen das Farbfoto zu schicken sollen weil es das einzige Bild von meiner Mutter ist, was ich bis jetzt habe und wahrscheinlich auch jemals haben werde.
00:47:36: Und dazu noch eine Kopie von diesen zwei Briefen, persönlichen Briefen aus der Haftanstalt die selbst geschrieben hat.
00:47:44: Die in der Akte mit dabei waren, die die Haftanstalt nicht verlassen haben.
00:47:48: Also sie wurden einbehalten und sind nicht rausgegangen.
00:47:52: aber mein Glück weil dann habe ich ihre eigenen Worte lesen können.
00:47:56: Sie schreibt an den Freund wie es er dort ergeht und was ist so erlebt?
00:48:01: Kannst du davon etwas erzählen?
00:48:04: Das Eindringlichste war natürlich, als sie berichtet dort.
00:48:07: Sie hat dort jemanden einen Haftanstalt kennengelernt und sich mit ihm angefreundet.
00:48:13: Und ich hab eben schon alles von mir erzählt auch die schlechten Dinge... Auch dass ich ein Kind hatte und die Jungthilfe es mir weggenommen hatte.
00:48:23: Also da hat's jetzt noch mal geschrieben ein Jahr später dann selbst hanschriftlich.
00:48:27: Also
00:48:27: sie hatte auch keine weiteren Kinder?
00:48:29: Das weiß ich nicht zu dem Zeitpunkt offensichtlich nicht.
00:48:32: ob sie später noch welche hatte Weiß ich nicht.
00:48:37: Und was hat das Foto mit dir gemacht?
00:48:39: Oder was konntest du da... Ja, welche Bedeutung hat das für dich?
00:48:44: Naja, die Person ist halt plötzlich greifbar.
00:48:53: Ist plastisch.
00:48:54: Es ist nicht mehr ein Name in einem Papierstück sondern es ist etwas, was ich sehen kann.
00:49:01: sogar Das Foto selbst ist erschütternd.
00:49:06: Das ist ein Foto einer neunzehnjährigen und... Hast du es gesehen?
00:49:12: Würdest du schätzen, dass sie Neunzehntin ist?
00:49:16: Nein.
00:49:16: Sie sieht da schon sehr gezeichnet aus, sag ich mal.
00:49:22: Krass!
00:49:26: Man kann ja diese gerade in Adaptionsakte, wenn die Mütterhilfe irgendwelche Ausführungen macht.
00:49:31: Die Müttherilfe schreibt immer sehr gerne in leicht verständlichen Sätzen.
00:49:37: Unter anderem Ramona begegnet uns heute wieder besonders frech.
00:49:43: Sie war aufsässig und hat sich unseren Anordnungen nicht gefügt.
00:49:47: So was schreiben die denn?
00:49:49: Und dann ist das ja eine Darstellungsabsicht, die von denen kommt... ...und gleichzeitig könnte man natürlich sagen da ist vielleicht jemand der, wenn man es jetzt von anderen Seite betrachten wollen würde, der einen Charakter hat oder der sich widersetzt, der eine eigene Vorstellung davon hat wie er selber leben möchte ... wie sie halt selber leben möchte.
00:50:17: Und sich nicht gängeln und performunden... ...und
00:50:21: sich vielleicht ungerecht verhandelt
00:50:22: hat?
00:50:22: Genau, ja!
00:50:26: Und dieses Foto wiederum,... ...und auch das was ihr dann in den Briefen schreibt, es klingt schon sehr,... ...ich will nicht sagen gebrochen aber sehr ernüchtert.
00:50:36: Ich glaube die Hafte hat tatsächlich etwas mit ihr gemacht.
00:50:39: Sie ist ja danach auch nie wieder straffällig auffällig geworden.
00:50:43: Das ist auch ein Glück weil... Meistens wird man ja erst im Gefängnis zum Kriminellen gemacht.
00:50:52: Ja, es gibt
00:50:52: eine
00:50:53: sehr hohe Anzahl natürlich an Personen die dann nochmal erneut verurteilt werden auch gerade bei zwei neunundvierzig.
00:51:00: Es gibt tatsächlich eine große Wiederholerrate.
00:51:05: Du hast ja gesagt dass deine Mutter da in der Kestnerstraße im Gefängnis war.
00:51:16: Du hast auch erzählt, dass du ein paar Folgen gehört hast von meinen eigenen Geschichten und dieses Kapitel habe ich noch nicht aufbereitet aber Da beschreibe ich eigentlich, ich habe in der Kalibnischstraße gewohnt.
00:51:29: Und wir konnten im Prinzip von daraus, wo ich gewohnte habe vom Fenster aus bis auf dieses Tor gucken, wo der Gefängnisbus reingefahren ist.
00:51:39: Also da ist er so halb rein gefahren und dann waren diese großen grauen Metalltüren offen, sodass dann niemand flüchteten konnte.
00:51:47: also dass das der Bus dann geschützt ist.
00:51:52: Als Kind habe ich mich viel gefragt.
00:51:54: Man hat ja irgendwie auch in der Großstadt sehr viel am Fenster gekocht, also aus langer Weile was auf der Straße los war und der Bus musste weil wir hatten Straßenbahnschienen, Kalibnitzstraße und da muss er der Bus sowieso immer einmal so ein U-Turn machen um dann an unserem Haus vorbei zu fahren.
00:52:13: und da habe ich also in dem Bus immer die Gefangenen gesehen wie sie zur Arbeit gefahren sind und die Frauen auch Und die Frauen hatten so Kopftücher, also so ein Dreieck-Kopftuch.
00:52:28: Also wie wir es vielleicht
00:52:29: noch
00:52:29: von unseren Großmuttern kennen?
00:52:31: Mehr zum Schutz der Haare und da habe ich mich oft gefragt wer diese Leute sind und warum sie da sind.
00:52:40: Da war ich ja so zehn, elf und konnte mir das auch gar nicht vorstellen.
00:52:45: Und jetzt finde ich das schon irgendwie ein bisschen interessant, dass es durchaus im Bereich des Möglichen liegen könnte, dass ich mal deine Mutter gesehen habe.
00:52:57: Schon ne?
00:52:57: Ja!
00:52:58: Ich kenne die Haftanstalt auch von außen natürlich.
00:53:02: Ich hab über zehn Jahre in Leipzig gewohnt und dort gegenüber von der Haftanstalt... War ein Discounter, das war mein regelmäßiger Supermarkt des Vertrauens.
00:53:15: Weil ich hab in der Südvorstadt gewohnt.
00:53:19: In der Hardy.
00:53:21: Da Hadenbergstraße?
00:53:22: Okay, wusste nicht dass die Hardy genannt wird!
00:53:28: Du hast dich also auf so eine lange lange Reise begeben.
00:53:32: von wieviel Jahren insgesamt?
00:53:34: Bis sich das Froth um einer Mutter in der Hand hielt waren es dann tatsächlich zehn Jahre ziemlich genau zehn Jahre.
00:53:39: Was hat dieser Prozess der Recherche und mit dir gemacht, wenn du überlegst was war die am Anfang wichtig rauszufinden?
00:53:50: Und dann mit diesen ganzen Abzweigungen inwieweit hat er lange Weg auch Spuren bei dir hinterlassen.
00:54:00: Ich fange mal an mit...
00:54:04: Was deine Hoffnung am Anfang
00:54:05: war.
00:54:05: Ja genau also mir ging es darum die Geschichte meinen Nachfahren zugänglich zu machen Weil natürlich auch zu diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr so in einem Loyalitätskonflikt, aber es waren natürlich schon... Ich konnte mir vorstellen das könnte für meine Adoptiv-Heltern verletzend sein.
00:54:26: Sie haben einen ganz guten Umgang damit gehabt und haben gesagt, dass musst du wissen, das kannst nur du machen, das kannst nur du entscheiden.
00:54:33: wir können das für dich gar nicht beantworten oder dir da irgendwas sagen oder raten oder nicht sagen.
00:54:40: Du hast ja auch mal gesagt, du hast dich eigentlich bis zu achtzehn warst schuldig gefühlt.
00:54:46: Ja,
00:54:47: naja, ich weiß nicht ob es schuldigt ist aber...
00:54:50: Dass deine adoptive Eltern was schulden?
00:54:53: Das
00:54:54: fand ich interessant.
00:54:55: Kannst
00:54:56: du das erklären?
00:54:57: Na ja die Gedanken waren natürlich, die haben mich aus dem Heim rausgeholt und sonst wäre ich jetzt noch in einem Heim.
00:55:04: oder zu wissen wie's im Heim war.
00:55:05: also heute weiß ich es war gar nicht schlimm.
00:55:10: Natürlich ist es schlimm, wenn ein kleines Kind von seiner Mutter getrennt ist.
00:55:12: Es steht ja außer Frage aber ich glaube das was dort in meinem war... Ich habe noch Kontakt zu jemanden der auch gearbeitet hat als ich da war.
00:55:25: Ist er dich kennt?
00:55:27: Ja toll!
00:55:27: Dann fahre ich nachher hin.
00:55:30: Schön!
00:55:30: Ja ist wirklich schön.
00:55:32: Also ich hatte Glück.
00:55:34: Mir ist so oft begegnet in meiner Geschichte.
00:55:38: Naja, aber du hast dich auch sehr dahinter geklemmt und hast sozusagen deine ganzen Skills ausgenutzt.
00:55:46: Man muss ja auch sagen dass die Möglichkeit hat nicht jeder.
00:55:50: Nicht jeder kann oder andere Leute brauchen vielleicht auch Hilfe um sich durch diesen ganzen Bürokratie-Wahnsinn durchzukämpfen.
00:55:59: Und vor allem
00:56:00: mit so einer Ablehnungssituation umzugehen.
00:56:02: Da geben
00:56:03: vielleicht viele auf!
00:56:04: Die Sterbeurkunde wird nicht ausgestellt.
00:56:06: Jetzt kann ich mich in diesen Schmerz verlieren und sagen, ich bin wieder abgelehnt.
00:56:12: Ich bin wieder nicht richtig oder ungewollt oder sonst irgendwas.
00:56:15: Und es springt ja zwangsläufig an.
00:56:19: Oder sie bekommen halt... Man geht halt in einen anderen Modus so.
00:56:27: Also ich kannte mich ja Gott sei Dank auch ein bisschen aus.
00:56:32: Mittlerweile ist ja auch meine Profession in der Verwaltung zu sein und von daher ... Ja, ich hatte das Glück, dass ... Dass ich das ohne Unterstützung geschafft habe.
00:56:44: Ich hatte natürlich Unterstützung.
00:56:45: Sonst will ich nicht verhehlen.
00:56:47: Also nicht in der Gestaltung, dass mich jemand an die Hand genommen hat.
00:56:49: Sondern ich hatte verständnisvolle Menschen dort durch meine Familie und auch meine Familie.
00:56:58: Und aber im Jugendamt.
00:57:01: Die Mitarbeiterinnen Neujahrs Werner bin ich sehr dankbar.
00:57:04: Sie hatten natürlich auch nur das machen können was Sie darf und hat aber gesehen, dass ich dran bleibe.
00:57:10: Und dann bin ich immer wieder mit neuen Informationen gekommen.
00:57:13: Und letztlich habe ich... Wann war ich das letzte Mal bei ihr?
00:57:16: Ich glaube, zwanzig-zweiundzwanzig als ich tatsächlich die Haftakte auch hatte.
00:57:22: Möchte ich sagen, weil ich das letzten mal ein Heuerswerder und hab nochmal abschließend eine Einsicht in die Akte genommen und hab dann wirklich jede Seite gesehen.
00:57:30: Da waren, glaub' ich nur noch ganz wenige Stellen geschwärzt, weil ich ja alle Informationen aus anderen Akten hatte.
00:57:36: Und alle Informationen die ich aus anderen akten hatte habe ich auch immer wieder genommen für den Antrag noch mehr aus meiner Adoptionsakte zu sehen.
00:57:45: und dann war halt klar es gibt jetzt nichts mehr.
00:57:47: Es gibt keinen Schutzdaten dritter denen wir noch aufrecht erhalten müssen.
00:57:50: er hat ja schon alle Kenntnisse Er weiß ja wie seine leibliche Oma heißt wo sie gewohnt hat was sie gearbeitet hat oder der leiblichen Opa Oder waren die Mutter inhaft war.
00:58:01: Und warum und wie?
00:58:02: Da hatte ich mehr Informationen als das Jugendamt von drei Jahren.
00:58:07: Wie war die Gefühlsreise vom Anfang bis...
00:58:10: Ach, da waren ja ... Ich muss fairerweise dazu sagen, die zehn Jahre bis zum Foto meiner Mutter ist mindestens fünfzig Prozent.
00:58:20: auch meine Geschwindigkeit also mein langsam damit umgehen.
00:58:25: denn Natürlich ist das, ich kann mich erinnern nach meinem ersten Besuch und der ersten Akten als ich es war natürlich ernüchternd.
00:58:35: Und irgendwie auch erschütternd aber das hat erst mal ordentlich gearbeitet.
00:58:39: Ja dann plötzlich waren ja irgendwelche existenziellen Fragen da so nach der eigenen Identität.
00:58:47: Ich bin ja angetreten für mich innerlich mit der Ausrede das für meine Kinder zu machen oder später kam noch ein zweites Entzug Und dann irgendwann war mir aber klar, es macht sehr eigentlich genau für dich.
00:59:03: Das dann auch so ein bisschen reinzulassen hat erst mal gekostet und das Emotionen natürlich anzunehmen, hat dann nochmal mehr gekostelt an Zeit und einen irgendwie einen Umgang damit finden.
00:59:19: also ich habe auch das Glück wiederum gehabt dass ich Freunde hatte und auch Familie meine Partnerin mit der ich mich dort austauschen konnte.
00:59:31: Ein Freund von mir arbeitet heute in einem Jugendamt und mit dem habe ich mich dann über diese technischen Sachen ausgetauscht.
00:59:39: Und es war auch sehr schön zu erfahren, dass immer wenn ich mir irgendwas davon gesagt habe oder gezeigt habe, dann kam halt um Gottes Willen wie können die denn nur?
00:59:47: Das ist doch schrecklich!
00:59:49: Und das überhaupt nicht vom Kind gedacht und so.
00:59:51: Und das beruhigt mich natürlich auch zu sehen, dass es heute offensichtlich eine ganz andere Einstellung dazu gibt als was da passiert ist ... aus einer Einschätzung nach, das natürlich... ... ja schon speziell war sag ich mal.
01:00:07: Aber es war offensichtlich gängig und wie gesagt also gibt auch Kinder die sind dann natürlich im Heim geblieben oder viele haben nie erfahren dass sie adoptiert sind oder fahren.
01:00:16: das jetzt mit dreißig habe von so vielen Betroffenen gehört.
01:00:19: mich haben meine Eltern angesprochen auf eine Veranstaltung Und haben gesagt Ja unser Sohn hat das jetzt vor ein paar Jahren erfahren.
01:00:27: Da ging, glaub ich um Ehe-Aufgebot oder irgend so was.
01:00:30: Dann brauchte er eine Abstammungsurkundung und da stand dann halt drin, dass er adaptiert ist und hat das dort erst mal nicht erfahren.
01:00:35: Und er hat mit seinen Eltern gebrochen weil sie es ihm nicht gesagt haben.
01:00:40: Das können auch die Folgen sein.
01:00:43: Auf jeden Fall!
01:00:45: Was war das Schmerzhafteste zu erfahren?
01:00:53: Das kann ich gar nicht garantifizieren.
01:00:54: Es war alles irgendwie... Alles Scheiße.
01:00:59: Also waren richtig viel.
01:01:01: Also die Stubidität manchmal dieser Berichte, die Anmaßung des Arbeitskollektivs.
01:01:09: Die bewusste Unrichtig-Darstellung, also es wurden aus Protokollen Passagen gestrichen wo drin steht nichts zur Verwendung im Abschlussprotokoll.
01:01:21: Wo er klar ist geht um eine Darstellungsabsicht und nicht um das was eigentlich besprochen wurde.
01:01:26: Es wäre positiv für meine Mutter gewesen, positive Sozialprognose Handeln fand ich regelmäßig verletzend.
01:01:38: Und dann natürlich das, was mit ihr passiert ist.
01:01:41: Man wirft dir vor, sie hat banken Wohnraum, du hast gesagt, es wäre eine Maßnahme gewesen hier Wohnraum zu geben.
01:01:45: Na ja die Wohnungssituation Ende der Siebziger an der DDR war wahrscheinlich nicht so dass man in einer Minderjährigen irgendwie sowas heute möglich wäre begleitetes Wohn oder irgendeine Wohngruppe oder irgendetwas geben könnte aber offensichtlich hat man ja nicht mehr drüber nachgedacht oder anstalten in irgendeiner Art, in diese Richtung gemacht.
01:02:05: Die Hilfe-Maßnahme bestand letztlich darin das Kind wegzunehmen.
01:02:16: Wofür bist du deiner Mutter am meisten dankbar?
01:02:21: Na im Wesentlichen für eine Sache natürlich nur und das ist mein Leben.
01:02:29: Mehr weiß ich ja auch nicht von ihr.
01:02:31: Also meine Adoption sagt es selbst, sagt nichts von Vernachlässigung des Kindes.
01:02:39: Also die Art der Gefährdung ist tatsächlich jungliche Mutti offensichtlich.
01:02:43: Da steht nichts von Kind is nicht sauber, Kind kriegt nix zu essen, Kind is nie warm oder sowas.
01:02:48: Es steht dann nicht.
01:02:51: Sondern Ramonas aufmüpfelig, kooperiert nicht, folgt nicht den Anweisungen so ne Sachen.
01:02:58: Ja, tatsächlich dankbar dafür dass sie sich nicht dafür entschieden hat das Kind wegmachen zu lassen.
01:03:09: Ich war in der DDR viel einfacher möglich, als es heute möglich ist.
01:03:15: Und meiner Kenntnis nachher auch straffrei und alles anderen ja.
01:03:25: Die restliche Dankbarkeit gilt meinen anderen Müttern sage ich mal der Begleiterin in einer Wochenkrippe die sich um mich gekümmert hat und die mehr Fotos aus ihrem eigenen Vermögen sozusagen Fotos gemacht haben mit Bildern von mir.
01:03:40: meine frühesten Selbstzeugnisse hätte ich nicht wenn diese Begleiterin das nicht gemacht hätte, dafür bin ich ihr sehr dankbar.
01:03:48: Weil es auch ein Teil meiner Geschichte ist und meine Identität und natürlich meinen Adoptiveltern die wir dann letztlich zuhause gegeben haben Und auch Wahnsinnig natürlich meinen Großeltern ja also die Eltern meiner Mutter Die vielleicht auch trotz ihres Schweigens Ich hatte immer so den Eindruck Da ist eine Verbindung So wie müssen gar nichts drüber reden wissen, was unsere Seelen berührt hat.
01:04:20: Und da war eine tiefe Liebe und eine tiefer Verbundenheit da.
01:04:30: Mein Großvater ist gestorben.
01:04:31: ich konnte ihm Gott sei Dank noch sagen dass sich eben dafür sehr dankbar bin.
01:04:37: Ja und allen anderen beteiligt natürlich auch ja auch selbst der Dame die Sterbeokunde zuerst nicht ausgestellt hat weil mich das heraus gefordert hat dann für mich einzutreten.
01:04:50: Also das war der Lernprozess, den ich für mich selbst hatte dran zu bleiben.
01:04:54: Wenn ich was nicht weiß dann frage ich jemanden mich zuzumuten.
01:04:58: Das sind Dinge... Hast du
01:04:59: das Gefühl dass so dich in die
01:05:00: Welt... Ich bin erwachsen geworden.
01:05:01: diesem Prozess tatsächlich Ja ja also naja es ist glaube ich schon.
01:05:12: wenn ich mehrmals an jemand mit dem selben mit dem mir derselben Anfrage herantrete Dann ist das schon eine Art Zumutung, sage ich mal.
01:05:22: Ich habe natürlich jedes Mal etwas Neues mitgebracht und es war halt jedes Mal ein Stück mehr Erkenntnis oder ein Stück, ja sag' ich mal einen Prozess in dem Remalitierungsbestreben.
01:05:37: aber letztlich war's immer wieder selber, er will die Akten sehen, er wird die Akte sehen und wir haben noch schon Schutzdaten dritter gemacht, naja dann machen wir's halt nochmal neu und dann waren sie halt regelmäßig rausgekommen.
01:05:46: Ich möchte sagen an Heuerswerder hab ich... Drei-mal schriftlich nackten Einsicht beantragt und zweimal war ich
01:05:53: vor Ort.
01:05:56: Also bist auch daran gewachsen, und ich finde es auch großartig dass du da so hartnäckig dran geblieben bist?
01:06:03: Weil das
01:06:03: ist wahrscheinlich auch sehr vorbildhaft für andere.
01:06:07: Was wünschst du dir denn?
01:06:11: Ja was soll des erbe von deiner mutter?
01:06:13: und sagen wir nochmal ihren namen Ramona Gebler?
01:06:19: Ich wünsche mir natürlich dass im bewusstsein der anders.
01:06:27: Nein, also erst mal vielleicht für mich.
01:06:30: Für mich wünsche ich mir dass... Ich damit anderen, vielleicht so wie du es jetzt auch gerade gesagt hast Mut mache sich ihre Geschichte zu nehmen.
01:06:45: Ja, ich bin auch gern bereit dort zu unterstützen.
01:06:50: Ich habe auch schon einigen Leuten bei Akteneinsichten geholfen auch Stasiakteneinricht weil das genauso ist wie du sagst, wenn du nie halt keinen Beistand nimmst.
01:07:04: Das ist natürlich herausfordernd sich diesem Behördensprech zu stellen und dann auch mit Ablehnung umzugehen aber auch überhaupt so eine Kenntnis dazu zu haben oder ein Verständnis dafür zu haben.
01:07:19: was steht mir denn von rechts wegen zu?
01:07:21: Und wie kann ich das bekommen?
01:07:23: Der erste Impuls Wieso?
01:07:25: Das ist doch meine Geschichte, das sind doch Daten von mir.
01:07:27: Das ist auch meine Akte.
01:07:28: Die könnt ihr in mir nicht vorenhalten.
01:07:30: und warum ist da die Hälfte schwarz?
01:07:32: Das geht doch nichts.
01:07:33: Es geht doch um mich!
01:07:35: Ja es geht aber eben nicht nur um den Akteneinsichtsnehmenden sondern natürlich auch um all die anderen, die dort erwähnt sind oder die dort handeln Und im weiteren Sinne sogar noch Handlungen tun, die dann auf irgendwelche Umstände hinweisen könnten und so weiter.
01:07:52: Also kann man sehr viel schwarz machen an einer Seite also.
01:07:58: das wünsche ich mir dass die Leute dran bleiben und dass sie den Mut fassen auch bei so einer miserablen Rehabilitierungsquote nach zwei neunvierzig trotzdem eine Rehablittierung anzustreben.
01:08:08: Mir hat zum Beispiel auch sehr gut der Kontakt zum UKG geholfen zur Union der Opferverbinde kommunistischer Gewaltherrschaft.
01:08:14: in Lichtenberg im Campus der Demokratie haben wir ihr Büro damals noch Frau Kathrin Bär Ich glaube, ich auch bekannt gewesen.
01:08:21: Im Medien hat er eine eigene krasse Geschichte und das war ein sehr schönes Treffen mit Frau Beer oder ein sehr intensives Treffen.
01:08:29: Wir beide haben sehr viel gemeint aber auch gelacht!
01:08:32: Und sie hat mir viele wichtige Impulse gegeben.
01:08:34: Das hat mir sehr gerufen.
01:08:36: also es gibt Opferverbindern die man sich wenden kann.
01:08:39: und letztlich wenn man das Glück hat so wie ich dass man auf einem Jugendamt trifft wo verständige Sachbearbeiter sind dann ist das ... ein guter Fundus, mit dem man arbeiten kann.
01:08:54: Und für die Opfer selbst?
01:08:57: Also ich muss ja sagen... ... persönlich bin ja nicht ein Opfer nach zweihundertvierzig.
01:09:00: Du warst ja letzte Woche in der Veranstaltung wo wir uns gesehen haben vorletzte Woche.
01:09:05: Genau.
01:09:07: Wo es eben darum geht gab's eine Systematik, nach der die inhaftiert wurden oder nicht und dort saßen auch Opfer im Publikum, die ich auch kenne, die auch Teil dieser Ausstellung sind, in dessen Rahmen das stattgefunden hat.
01:09:20: Ich sag mal, was die zu berichten haben und wie es denen damit geht.
01:09:24: Und ihrer Familie natürlich auch.
01:09:25: das hat noch mal eine ganz andere ist nochmal ne ganz andere Dimensionen und dass das so wenig sichtbar und präsent ist.
01:09:33: Also wenn man die Haftzahlen hört, das ist erschreckend.
01:09:36: ja also ich meine mich zu erinnern Es war jeder vierte der inhaftiert war in der DDR War nach.
01:09:49: Deswegen
01:09:49: sitzen wir auch heute hier, weil ich finde es ja auch sehr wichtig dass diese Geschichten erzählt werden.
01:09:56: Auch im Hinblick das ist ja doch wie ich auch gerne wieder erwähne genug Kräfte gibt die meinen... Das was in der DDR war halt nicht der richtige Sozialismus und man ihn dann nochmal probieren sollte.
01:10:11: aber ich denke die Weltgeschichte hat ja gezeigt am Ende Ist das ein sehr fehlerhaftes System, was den Menschen nicht gut tut?
01:10:23: Eine Frage noch zu deinem Vater.
01:10:24: Hast du dich da mal auf die Suche gemacht und das ist auch für dich nicht
01:10:30: wichtig?
01:10:30: Das ist dann die fünfzig Prozent der zehn Jahre Reise.
01:10:34: Es wird nach einer Reihe dauern.
01:10:37: Ich erschließ es definitiv nicht aus aber im Moment bin ich nicht dran.
01:10:42: Im Moment ist es emotional nicht dran.
01:10:44: jetzt waren erstmal diese ganzen Sachen
01:10:47: Und ich nehme mal an deine Familie, deine Kinder und so.
01:10:50: Die mussten bestimmt auch eine Menge Zeit auf dich verzichten... ...weil das ja doch auch ne sehr intensive Arbeit ist.
01:11:00: Ja!
01:11:00: Anträge stellen und dann noch mit den Stellen zu korrespondieren?
01:11:05: Ich möchte sagen es hält sich in Grenzen.
01:11:07: Sie haben ganz viel gemacht als sie geschlafen haben und so und
01:11:09: von
01:11:11: daher... Aber emotional natürlich, also das ist vielleicht so der entscheidende Punkt.
01:11:17: Natürlich macht das was mit mir und natürlich belastet mich das und natürlich bin ich dann nicht der... Bin ich anders drauf?
01:11:27: Vielleicht weniger aufgeräumt, vielleicht nicht mit voller Energie, vielleicht bedrückt wie auch immer.
01:11:33: Durchlässiger!
01:11:36: Das hat definitiv etwas gemacht.
01:11:43: Auch dir ist ja Unrecht widerfahren.
01:11:47: Überlegst du noch für dich eine rechtsstaatliche Rehabiliterung zu beantragen?
01:11:52: Ja, das wird glaube ich eher schwer anders.
01:11:55: Es wird glaube sehr schwer.
01:11:58: Denn... Ich müsste ja darstellen dass mir tatsächlich nicht nur dass mein Unrecht wiederfahren ist was wahrscheinlich schon mal nicht leichtes sondern auch dass es müsste irgendwie dienen.
01:12:10: einen Strafrechts-Rebilitierungskrag da haben und damit müsste ich die Zeit des Heimes als Freiheitsentzug darstellen, der es von außen betrachtet natürlich ist.
01:12:21: Aber gab ja eine Hintergrund warum ich nicht draußen war sozusagen.
01:12:28: Es ist schwierig.
01:12:31: also einfacher wäre wahrscheinlich das Verwaltungsrundrecht und dieses fehlende Prüfreinfolge wäre zum Beispiel ein Einstieg.
01:12:38: vielleicht gibt's noch mehr aber dazu müsste ich halt mehr wissen Das was ich habe und dazu bräuchte ich halt die Kenntnis der Unterlagen meiner Mutter, die halt nicht mehr da sind.
01:12:46: Ihre eigene Jugendakt.
01:12:47: Eine Jugendhilfeakte dann könnte ich da vielleicht noch mehr erfahren.
01:12:52: aber ehrlich gesagt ja ich hatte das überlegt eine Opferende zu bekommen oder dann zu spenden für den UOKG zum Beispiel oder wie auch immer.
01:13:06: Aber mir war es wichtig klar für mich klar zu haben dass ich das für meine Mutter, für meine leibliche Mutter habe und für meine eigene Person.
01:13:20: Ich glaube, ich komme ganz gut mit mir zurecht.
01:13:22: Ich brauche es jetzt nicht um mich irgendwie als Sühne oder sonst irgendwas.
01:13:30: Das... Ich hab's auch auf der Veranstaltung gesagt die verhaltensweisen der dort agierenden Personen, die mag ich scheiße finden?
01:13:40: Oder ich mach' mich nicht davon frei Umständen und in deren Situation nicht vielleicht ähnlich gandelt habe.
01:13:48: Das entschuldigt die Sache nicht, aber es macht sie für mich erklärbar.
01:13:52: Denn letztlich – und das ist meine Überzeugung – waren ja alle nicht frei!
01:13:58: Also wenn ich solche Sprüche höre wie man kann ja nicht mehr alles sagen würde ich sagen geht mal bitte dreißigvierzig Jahre zurück in die DDR stellt euch dann auf den Marktplatz und sagt dann die schönen Sachen die ihr jetzt angeblich nicht sagen dürft.
01:14:11: dann wisst er was es heißt.
01:14:12: man darf nicht alles sagen.
01:14:16: Die eigene Berufsfreiheit war nicht frei.
01:14:20: Keine Reisefreiheit.
01:14:24: Wenn die Stasi hatte, weiß ich nicht wieviel EMS?
01:14:27: Knapp zwei Millionen über die dreißig Jahre diese Aktiva oder ein paar dreizig.
01:14:34: Naja das sagt auch was darüber aus weil du vorhin sagtest so ein gewisses Bild von der DDR.
01:14:42: Auch dass ist eine Wahrheit die vielleicht mit dazu gehört.
01:14:45: und diese Behördliche Macht, die dort Einzelne hatten haben Einzelner auch an manchen Stellen mit Sicherheit überschritten.
01:14:58: Also mir bleibt eigentlich zum Schluss noch zu sagen dass ich sehr fest davon überzeugt bin das deine Mutter sehr stolz auf dich wäre.
01:15:09: Zum Schluss gibt es aber bei mir noch meine berühmten Fragen Ja Was ist der beste Spielfilm über die DDR?
01:15:18: Über die DDR Das Leben der anderen Den fand ich sehr eingängig.
01:15:26: Ich habe den mittlerweile schon fünf oder sechs Mal gesehen und als ich dann beim BSTU auch gearbeitet hab, so viele Sachen die dort erklärt gezeigt gemacht werden tatsächlich gesehen.
01:15:35: also diese Tücher dass die Hunde auf den Stühlen drauf war das habe ich gesehen, ich habe diesen Konserven
01:15:42: gesehen.
01:15:42: Es gab doch von fast allen eine Geruchsprobe irgendwie?
01:15:46: Ja nicht von allem hat man sie ja auch nicht bekommen aber es gab sehr viele.
01:15:49: tatsächlich Ich kann mich erinnern, in Leipzig mit der der Achtzige hat man einen Plakatkleber aufgrund einer Geruchsprobe tatsächlich ausfindig gemacht.
01:16:00: Was ist dein Song zum Mauerfall?
01:16:03: Zum Mauer-Fall!
01:16:05: Na ich würde sagen Wind of Change.
01:16:10: Deine erste Platte für Westgeld.
01:16:14: Das drohe ich mir gar nicht zu sagen.
01:16:15: Doch es kann ruhig peinlich werden.
01:16:21: Also ich sag mal, der Song zum Auffall ging ja auch schon in die Richtung.
01:16:24: Oh, Dankeschön!
01:16:27: Na gut... Es war vielleicht nicht die erste, aber sagen wir mal vielleicht die, wo ich mich bezeigen möchte.
01:16:35: Talk Talk.
01:16:37: Wahnsinn also das war auch mal eines übrigens eines meiner ersten Album-Alben.
01:16:42: Ja völlig.
01:16:43: Also da kann man sich jetzt gar nicht filmen?
01:16:44: Nee deswegen sage ich auch nicht dass es Smokey war, aber...
01:16:49: Das ist auch in Ordnung
01:16:50: Okay.
01:16:51: Na klar, natürlich!
01:16:53: Aber Talk-Talk war natürlich höre ich heute immer noch und finde auch immer noch sehr emotional alles.
01:16:59: Und danach kamen natürlich andere Sachen.
01:17:03: Was war so angesagt?
01:17:05: Ärzte, Hosen, Depeche Mode, End One, Joy Division...
01:17:13: Bist du denn schon mal und wenn ja zu welcher DDR Band bist du zuletzt zum Konzert gegangen?
01:17:19: Direkt zu einem Konzert bin ich bei der DDR-Bind noch nicht gewesen.
01:17:23: Aber, ich möchte mich erinnern dass sich in Leipzig grad doch immer vor dem WF in Grosse treffen gibt es auch immer eine Veranstaltung die heißt Leipzig zeigt Courage und da war da waren definitiv Ostwinds dabei.
01:17:47: Ich möchte sagen ... fünf oder sechs da.
01:17:55: Und ich weiß nicht, ob Silly auch da war, das weiß ich.
01:18:00: Das kann ich mir vorstellen aber ich wisse es nicht.
01:18:02: Es kann ich in Erfahrung bringen!
01:18:05: Also Silly hast du mal live gesehen?
01:18:07: Ich möchte es behaupten, aber ich will mich jetzt... ... nichts weit aus dem Fenster lehnen.
01:18:11: Ansonsten so Bands die natürlich aus dem Osten kommen, ja.
01:18:19: Zapfettusselli kommt bei mir aus der Ecke da.
01:18:21: Aus Trogau Ja und was ich so gehört habe an DDR Musik vielleicht noch.
01:18:28: Das wäre meine
01:18:30: letzte
01:18:31: Frage.
01:18:33: Meine top drei.
01:18:34: Am Fenster, blaue Planet und von Karat noch... Vorhin hatte ich es im Kopf.
01:18:47: Jetzt fällt es mir nicht ein.
01:18:48: Eine ganz bekannte Karatsung.
01:18:51: Über Siebenbrücken?
01:18:52: Nein.
01:18:55: Was gibt's noch?
01:18:57: Mein Gott, mir fallen immer so Neben-Songs ein.
01:19:02: Wir finden es wahrscheinlich nach dem Gespräch raus.
01:19:06: Ansonsten ja...
01:19:08: Silly auch wahrscheinlich.
01:19:09: Silly, Panko, so eine Sache, genau.
01:19:16: Steilmeißen, ich kenne das alles aber es ist nicht so dass ich das mitsingen könnte.
01:19:19: also mit singe kann ich wahrscheinlich wirklich nur Karat und am Fenster halt.
01:19:27: Das sind so die Sachen.
01:19:30: Tim dann bedanke
01:19:31: ich mich ganz herzlich
01:19:32: fürs Gespräch.
01:19:33: Ich danke!
01:19:34: Dieses Gespräch und die Begegnung mit Tim haben noch lange bei mir nachgehalten, auch wegen Tims Beharrlichkeit und Stärke.
01:19:42: Wie ging es dir?
01:19:43: Schreibe es mir doch gerne in die Kommentare bei Facebook oder Instagram!
01:19:48: Weiterführende Informationen zum Thema Paragraph.
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