Meine Geschichten aus einem verschwundenen Land- Depeche Mode am 9/11 in Wien und 1993 in Leipzig

Shownotes

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00:00:01: Jeder weiß noch, wo er am elften

00:00:03: September-Zw.A.,

00:00:06: als in den USA die islamistischen Terroranschläge verübt wurden – ein singuläres Ereignis, das die Welt in einen davor unternachteilt und nach dem nichts mehr so war wie zuvor!

00:00:18: Ich weiß auch noch genau, wo ich vor fünfzehnzig Jahren an diesem Tag war —in Wien—und am Abend bei Diepe Schmott.

00:00:26: Wie es dazu kam und warum Diepe schmott mir diesen Tag diesen Abend gerettet haben, erfahrt ihr in dieser Folge.

00:00:34: Meine Geschichte mit die Peschmott beginnt aber viel früher – im Juni deknauzehneinzig spielen sie zum ersten Mal nach dem Mauerfall in Ostdeutschland?

00:00:43: In Leipzig!

00:00:44: Vierzigtausend Menschen auf der Festwiese und ich durfte nicht nur das Konzert erleben, Ich war Backstage.

00:00:50: Wie es dazu kam was mein damaliger Job damit zu tun hat Und wie aus diesem Deeper-Schmod Konzert plötzlich eine Geschichte über die Umbruchzeit nach der politischen Wende wird, inklusive Glücksrättern aus den Westen und sogar ein bisschen True Crime – das erzähle ich euch in der neuen Folge von «Meine Geschichten aus einem verschwundenen Land».

00:01:13: Wenn dir meinen Podcast gefällt und du ihn unterstützen möchtest, dann kannst du das mit einem oder mehreren Café tun.

00:01:20: Wie das geht?

00:01:21: findest du in den Schoenots.

00:01:23: Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge!

00:01:26: Im Frühjahr dekneinzig heure ich als Kellnerin und Barfrau, in der Nachtbar Pi I auf dem Karl-Heineplatz in Leipzig-Lindenau an ein einzelnes Gebäude das auf einem begrünten Stadtplatz nicht größer als ein Häuserblock steht.

00:01:41: Das kleine Einzelne Haus war Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein stetisches Brausebad unter anderem als lokal der nationalen Front und als Tanzlokal genutzt.

00:01:54: Das P-Eins ist Erwachsener, mit seiner Veranstaltungsfläche von nur hundertzwanzig Quadratmetern eher eine Nachtbar mit kleinem Dancefloor.

00:02:03: Am Dresden kann man sich unterhalten ohne zu schreien – wir haben schnell Stammgäste die sich hier wohl fühlen!

00:02:09: Einer von ihnen ist der Chef eines Konzertveranstalters.

00:02:13: Hans ist ein sympathischer, unaufgeregter Westdeutscher.

00:02:16: Er kommt ein-zwei Mal die Woche ins P.Eins nimmt einen oder zwei Drinks meist gentonic bleibt nicht übermäßig lang.

00:02:25: da er im Musikbusiness arbeitet plaudere ich gern in freien Minuten mit ihm über Bands.

00:02:31: Als ich auf Plakaten in Leipzig die Ankündigung lese, dass Hans Konzertagentur der lokale Veranstalter des allerersten Die Beschmott-Konzerts nach dem Mauerfall in Ostdeutschland und noch dazu in Leibzig ist, ist das für mich wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.

00:02:48: Denn meine Liebe zu Die Beschmot ist gerade erst richtig entflammt!

00:02:57: Dave Gahan diesen neuen Look hat, lange Haare und Jesus Bar trägt.

00:03:02: Und die Musik dunkelabgründig und elektro-rockig ist werde ich zum Fan!

00:03:07: Wenn die Band heute iFeelU spielt, ist es genau der gleiche Fauststoß in die Magengrube wie in three ninety als ich die Platte zum ersten Mal höre.

00:03:18: Das Album Songs of Faith and Devotion wird meines Meisters gehörtes und jetzt habe ich vielleicht die Chance die Band live zu sehen.

00:03:28: Hans legt mich auf das Konzert ein, ich werde mich bei ihm mit dem einen oder anderen Drink revanchieren!

00:03:35: Das erste Mal darf ich auf einem internationalen vierzigtausend Leutekonzert unmittelbar dabei sein.

00:03:41: Die Backstage-Passes sind begrenzt.

00:03:43: Mitnehmen kann ich leider niemand.

00:03:45: Umso aufgeregter mache Ich mich am neunzehnten Juni Ein Samstag Auf den Weg zur Festwiese Am Leipziger Zentralstadion.

00:03:54: Bei Konzerten meiner Lieblings-DDR-Bands war meist dieselbe Gruhauftour dabei.

00:03:59: Ich kann immer nach jemanden fragen, den ich kenne.

00:04:02: Hier ist alles anders!

00:04:03: Alles ist über dem Minional groß – nicht nur die Bühne auch das große Areal.

00:04:09: Einen Herr an Ordnen und Kontrolleuren lässt nur diejenigen mit den richtigen Pässen an den entsprechenden Einigängen hinter die Büne rein.

00:04:16: Wer keinen hat, kann sich nicht reinkwatschen so wie wir es immer getan

00:04:20: haben.".

00:04:21: Alles ist hermetisch abgeriegelt, keine Maus kommt hier durch einen Schlupfloch rein.

00:04:26: Im Backstage-Bereich angekommen komme ich mir so ganz allein ein wenig verloren vor.

00:04:32: Ich schaue mich um ob ich meinen Stammgast Hans sehe.

00:04:35: Er läuft geschäftig vorbei.

00:04:37: für mehr als ein Hallo reicht seine Zeit nicht als er mich entdeckt!

00:04:41: Ich beobachte die Leute und das Treiben und hoffe jemand aus der Band zu sehen aber vor dem Konzert treffe ich niemand.

00:04:49: Die Leipziger Band Think About Mutation hat einen Musikwettbewerb gewonnen und darf deshalb als Vorbind von die Beschmott spielen.

00:04:57: Sie interessieren mich nicht, da ich Backstage nichts verpassen möchte – Ich bleibe hinten in der Hoffnung ein Autogramm von Dave dem Sänger zu

00:05:05: ergattern.".

00:05:05: Das Konzert geht los und nun verlasse ich den Backstage-Bereich, mische mich unter die Zuschauer.

00:05:11: Die Stimmung ist trotz Ausverkauf der Festwiese entspannt!

00:05:15: Ich finde einen Platz, an dem ich gut sehen kann und genug Platz habe um zu tanzen.

00:05:20: Die Beschmott überwältigen mich vom ersten Song an – ich stehe vermutlich die ganze Zeit mit offenen Mund da so fasziniert bin ich!

00:05:28: Auf dieser Tour sind die Beschmot zum ersten Mal eine richtige Band auch weil Ellen Walder Live Schlagzeug spielt.

00:05:36: Das gibt den Songs eine Trinklichkeit, die neu ist.

00:05:40: Der Sound hat mehr Druck und andererseits ist er geschmeidig, auch wegen der Backgroundsängerin Hildia Campbell und Samantha Smith die den Songs noch eine weitere Stimmungsebene geben sie auf ein anderes Level heben.

00:05:54: Die Songs sind für die Live-Show neu arrangiert worden.

00:05:57: das ist überraschend und daher so fesselnd denn die neuen Version machen die Songs noch besser.

00:06:03: Einige Deepeschmord Fans sagen Diese Tour nanzer drei neunzig wäre der Höhepunkt ihrer Karriere.

00:06:09: Der Pieck in der Bandgeschichte gewesen, dass danach nichts Besseres mehr kamen.

00:06:14: Dieser Eindruck entsteht womöglich auch dadurch das sich die Protagonisten am Abgrund bewegen.

00:06:20: Dave wie er später selbst erklärte war zu dieser Zeit schwer drogenabhängig Dass auch das angebliche Zurittetsein der Bandmitglieder untereinander dennoch das Beste aus allen herausholt, was sie live abliefern können, trägt zu dieser Einschätzung bei.

00:06:36: Nicht gerade ein Plädoyer gegen Drogen!

00:06:39: Der Tanz auf dem Vulkan – ich kann ihn an diesem Abend spüren Die geniale Einfachheit des Obeners Higher Love bei dem Dave erst beim zweiten Refrain hinter den halbtransparenten, in violettes Licht getauchten Vorhängen hervortritt wird für mich der beste Obener eines Konzerts ever sein und nach diesem ersten Rausch vergesse ich wo ich bin.

00:07:03: Ich will nur dass er nie

00:07:05: aufhört.".

00:07:06: Das Konzärt ist wie eine Messe des Personal Jesus und ich will mich jetzt nicht fragen, wie lange das wohl noch gut gehen wird.

00:07:14: Ich bin im Hier-und-Jetzt wie selten zuvor und genieße die

00:07:17: Einmaligkeit.".

00:07:18: Das Konzert findet er im Bauch als im Kopf statt – das Pulsierende in your room oder das meines Erachtens underrated Rush Martin dirigiert uns bei Judas und des Publikums Will zum Ende des Songs Nicht aufhören zu singen If you want my love.

00:07:37: Es folgt der Song, warum ich hierher gekommen bin.

00:07:40: I Feel You fängt an mit diesem harten Scratch, der einen zerreißt und man glaubt, deft nicht nur jede Zeile – man teilt den Schmerz genau jetzt mit ihm!

00:07:49: Never Let Me Down Again, das erst einige Jahre später zur Hymne reifen wird bewegt die Massen.

00:07:56: Das wafende Publikum funktioniert hier in Leipzig genauso wie überall auf der Welt.

00:08:02: Der Wind, der während des Konzerts einsetzt, fegt die Normalität.

00:08:06: Die ganze Alltäglichkeit einfach weg und Dave lächelt dazu.

00:08:11: Zum Ende der ersten Zugabe eise ich mich los.

00:08:14: Mittlerweile wird aus dem leichten Wind ein aufziehendes Gewitter.

00:08:18: Ich will backstage sein.

00:08:19: wenn das Konzern zu Ende ist Das es die einzige Chance vielleicht doch noch einen Autogramm zu bekommen.

00:08:26: Autogramme finde ich normalerweise unnötig.

00:08:29: Mein erstes im Alter von fünfzehn Jahren damals auf den Unterarm war bisher mein einziges und letztes, denn die gemeinsamen Erlebnisse mit denen die Derben sind viel stärker in meinem Bewusstsein verankert als es je eine Unterschrift sein könnte – so empfinde ich es!

00:08:45: Doch die Beschmutzung nahezu kommen könnte einmalig sein.

00:08:49: das ist mir bewusst, sodass mein zweiundzwanzigjähriges Ich diese Chance nicht verpassen

00:08:54: möchte.".

00:08:55: Die erste Zugabe ist vorbei.

00:08:57: Ich mache mich auf den Weg durch die Ordner hinter die Bühne mit meinem Pass, der an diesem Abend für mich mehr wert ist als alles Geld der Welt.

00:09:06: Auf der Rückseite der Bühnen, die auf der Festwiese steht, schließt sich die epische Steintreppe an, die hoch zum Glockenturm des Zentralstadions führt.

00:09:16: Es ist gespenstisch!

00:09:18: Genau jetzt entgläht sich das Gewitter zur zweiten Zugabe.

00:09:22: Auf den Zweiundvierzig Stufen bis hoch zu den Backstage-Zelten, ich habe sie im Jahr zwanzigachzehn extra nachgezählt sind meinen Schatten und Ich ganz allein.

00:09:33: Ich drehe mich um und höre everything counts!

00:09:36: Ich halte inne.

00:09:38: Mir ganz alleine gehört diese Perspektive auf die Bühne von hinten und das Publikum davor kein Mensch weit und breit außer

00:09:47: mir.".

00:09:47: Der Regen brasselt nun gnadenlos auf mich nieder.

00:09:50: Ich laufe weiter, nehme Stufe um Stufe.

00:09:53: Jetzt muss auch ich lächeln!

00:09:55: Plötzlich nur nach Instrumentalmusik – ich drehe mich um und ein weiterer Schatten folgt

00:10:00: mir.".

00:10:01: Ich bin fast oben auf der Treppe angekommen, Klitschnas vom strömenden Regen.

00:10:06: Dort stehen vier oder fünf schwarze Limousinen auf dem Weg zwischen Treppe und den Backstage-Zelten mit laufendem Motor.

00:10:14: Jetzt erkenne ich den Schatten hinter mir – es ist Dave, Zeit versetzt zu mir, während die Band Everything Counts zur Ende spielt.

00:10:24: Er steigt in eine der Limousinen.

00:10:26: Ich laufe durch den Regen auf das Auto zu und klopfe an die hindere Seitenscheibe der

00:10:31: Beifahrerseite.".

00:10:32: Was wird passieren?

00:10:34: Kriegt er das überhaupt mit?

00:10:35: Wie im Film fährt die getönte Scheibe runter – und Dave schaut mich an!

00:10:41: Er sitzt auf der Rückbank mit nassen Haaren und einem Handtuch um den Hals gelegt und in seinem verschwitzten, gerippten Weißen unterhemmt.

00:10:50: Was will ich hier eigentlich?

00:10:51: Ich bin aufs Autogrammiagen gar nicht vorbereitet!

00:10:55: Er lächelt mich an – ich reiche ihm meinen Pass, dass es das Einzige was ich dabei habe, was man unterschreiben kann.

00:11:01: Einen Stift habe ich nicht.

00:11:03: Ein Moment ist er eine Frage in der Luft, entsteht eine merkwürdige Stelle.

00:11:07: Ich stehe da völlig durchgeweicht vom Regen.

00:11:10: Ich könnte ihn fragen ob ich mitfahren kann….

00:11:13: ich tue es

00:11:14: nicht.".

00:11:15: Dave lässt sich vom Fahrer einen Kugelschreiber geben und unterschreibt meinen Pass.

00:11:20: Der Moment zieht vorbei, Dave gibt mir mein Pass zurück und wir verabschieden uns.

00:11:26: Voller Euphorie erzähle ich Hans bei seinem nächsten Besuch im P-I von meinen Erlebnissen beim Diepe Schmotkonzert.

00:11:33: Er freut sich für mich.

00:11:34: meine Euphorie schwappt aber nicht auf ihn über!

00:11:38: Irgendwie wirkte bedrückt, aber wenn ein Gast sein Herz nicht von alleine ausschüttet, insistiert man auch nicht.

00:11:45: Erst viele Jahre später erfahre ich über Hans mehr als ich je in der Bar mitbekommen habe, als ich im Zeitungsarchiv danach

00:11:53: suche.".

00:11:54: Die Mitteldeutsche Zeitung schreibt am sechzehnten neunten, neunsundvierneunzig also etwas mehr als ein Jahr nachdem die Peschmottkonzert folgend ist.

00:12:03: Ich nenne Hans Nachnamen hier nicht!

00:12:08: Schließlich hatte das Landgericht Duisburg den bisher als unbescheidene Geschäftsmann geltenden Chef der renommierten Konzertagentur Leipzig-Konzerts gerade wegen Rauschgifthandels zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

00:12:23: N war geständig, über fünf Jahre hinweg habe er insgesamt eineinhalb Tonnen Haschisch aus Marokko nach Mitteleuropa geschmuggelt.

00:12:32: Und weiter auch in Leip.

00:12:34: sich rechnet N Nur mit großen Beträgen, mehrere hunderttausend Mark Verlust habe seine Firma Leipzig-Konserts zuletzt eingefahren.

00:12:42: Räumte er Mitte August ein.

00:12:44: Dazu kämen außerdem zwei Komma fünf Millionen Mark Allschulden.

00:12:49: Doch kein Grund zur Panik so innen selbstbewusst.

00:12:52: Wir planen weiter.

00:12:54: wir wollen eine Industriehalle kaufen und zum Rockpalast umbauen.

00:12:58: Ich zitiere weiter Leipzig-Konserts nach der Wende entstanden, als die LPG Geithain ihren Sozialbereich ausgliedete, steht vor dem Bankrott.

00:13:09: Dabei war der Anfang vielversprechend – Als rein ostdeutsches Unternehmen hatte es Leipzig-Konzerts geschafft, die überaus lukrativen Vermarktungsrechte an der Festwiese am Leipzieger Zentralstaat und bis zum Jahr zwei Tausend Fünf übertragen zu

00:13:23: bekommen.".

00:13:26: Warum die große Wende im Geschäftserfolg des Unternehmens trotz Hans-Einstieg nicht kam, das wissen nur die Beteiligten.

00:13:34: Die Mitteldeutsche Zeitung überschreibt ihren Artikel am sechzehnten September nineteen vier neunzig mit Haschgroßhändler holte die Stars nach Sachsen und schreibt weiter ich zitiere der wegen Betrug Trunkenheit an Steuer- und Urkundenfälschungen mehr als zwanzigmal vor bestrafte Geschäftsmann Hinter dem Firmenkonkomerat, zudem außerdem HIN-Spedition und Leipzig Concerts.

00:13:58: auch die schon Anfang März in konkursgegangene HIN Tracking Line gehört blockiert mit seiner handlungsunfähigen Firma alle Veranstaltungen auf der Festwiese.

00:14:09: Zitat Ende Von all dem bekomme ich in three ninety nichts mit.

00:14:14: Ich wundere mich nur dass Hans nicht mehr in die Bar kommt.

00:14:18: Vielleicht ist er aus Leip sich weg gegangen erkläre ich es mir.

00:14:21: Keiner verabschiedet sich, wenn er gescheitert im Osten von Dannen zieht zurück in die Heimat im Westen.

00:14:28: Das habe ich nicht nur einmal erlebt!

00:14:30: Die Peschmott bleiben hingegen eine feste Konstante in meinem Leben und treten mir den Abend einer der folgenreichsten Tage der jüngeren Geschichte.

00:14:39: Freitagmorgen am siebten September zwei Tausend Eins steige ich morgens an den Air Berlin-Flieger nach Wien.

00:14:46: Der vergangene Abend ist präsent in allen Zellen meines Körpers.

00:14:51: Ich schaue auf die Startbahn, schließe die Augen und höre in meinem Kopf Halo.

00:15:03: Es wird mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf gehen, denn gestern war ich auf dem Deepish-Mode-Konzert in der Waldbühne.

00:15:13: Die Exciter-Tour machte Stationen Berlin und es war grandios!

00:15:17: Dieses Gefühl wenn ein Konzert tagelang nachhalt ist für mich eines der schönsten – nichts kann einem etwas anhaben.

00:15:25: man isst in gewisser Weise vor der Realität geschützt und schwebt über Wolken In meinem Fall tatsächlich.

00:15:32: Mit diesem Gefühl lande ich im Flughafen Wien.

00:15:35: Mein Chef hatte die Idee, dass ich nach Wien kommen solle.

00:15:38: Er betreut dort als Fernsehproduzent verschiedene Formate bei einem kleineren österreichischen TV-Senter und meinte, komm mal eine Woche nach Wnen dann können wir einiges ausprobieren.

00:15:49: Eine riesige Chance, die ich mir nicht entgehen lassen will.

00:15:52: Angekommen.

00:15:53: in der Redaktion schlägt er vor Mittagessen zu gehen wobei wir die kommenden Tage besprechen könnten.

00:15:59: Wir bestellen Backhändelsalat und ich esse zum ersten Mal Kernöl.

00:16:03: Ich muss ihm vom gestrigen Abend berichten und erzähle euphorisch vom Waldbühnenkonzert.

00:16:08: Und wie berauscht ich immer noch davon sei?

00:16:11: Er guckt mich an und sagt, du!

00:16:13: Ich glaube die Spielenanfang der kommenden Woche hier in Wien.

00:16:16: Was?!

00:16:17: Platz das aus mir raus?

00:16:18: Glaube schon bestätigt

00:16:20: er.".

00:16:20: Wir beenden das Essen, er steht auf, nimmt seine Brieftasche und zieht einen Fünfhundert Schillingschein raus.

00:16:26: Der Zwei-Tausend-Eins einem Wert von ungefähr sechsunddreißig Euro entspricht, reicht ihn mir über den Tisch und sagt hier kauft ihr eine Eintrittskarte für die Beschmott!

00:16:36: Ich kann es kaum glauben, freue mich riesig.

00:16:39: mit so einem Geschenk habe ich null gerechnet.

00:16:42: Ich beschließe nach der Arbeit sofort die Karte zu besorgen, finde heraus wo die Beschmott spielen und fahre am frühen Abend zur Wiener Stadthalle.

00:16:51: An der Kasse kaufe ich ganz normal ein Ticket.

00:16:53: es kostet fünfhundertfünfzig Schilling also knapp vierzig Euro.

00:16:58: Überglücklich fahrei ich zurück in mein Hotelzimmer!

00:17:02: In vier Tagen sehe Wer hätte das gedacht, dass der Tag unwiderruflich in die Weltgeschichte eingehen wird?

00:17:10: An da noch niemand.

00:17:12: Am Dienstag sind Probeaufnahmen im Fernsehstudium mit mir geplant.

00:17:17: Ich soll eine fiktive Sendung vor Greenscreen moderieren.

00:17:21: Dafür habe ich tolle Kollegen an die Seite gestellt bekommen, die mich vorbereiten und unterstützen.

00:17:26: Das Studio ist mit schweren Eisentüren ausgestattet, WLAN gibt es nicht.

00:17:31: Wir stehen im TV-Studion das akustisch hermetisch abgeriegelt ist und bekommen den ganzen Tag nicht mit was draußen wirklich vor sich geht.

00:17:40: Am Nachmittag kommt ein Kollege vom Redaktionsgebäude zu uns rüber ans Set und erzählt wenig aufgeregt dass ein Flugzeug in die Twin Towers in New York geflogen sei.

00:17:51: Unser erster Gedanke, es wird eine einmotorige Maschine mit einem Piloten sein.

00:17:56: Der Kollege ist auch schnell wieder weg und will verstehen die ganze Tragweite in keinster Weise!

00:18:02: Wir schieben es bei Seite und vergessen es fast, da wir hochkonzentriert unsere Arbeit machen.

00:18:08: Am späten Nachmittag zurück im Hotel, in das ich direkt nach den Aufnahmen gehe – es liegt nur wenige Meter um die Ecke vom Studio am Prater – offenbart sich dann die ganze Katastrophe als ich den Fernseher

00:18:20: einschalte.".

00:18:21: Sprachlos und verängstigt stehe ich vorm TV und sehe die Bilder.

00:18:26: Es kommen auch die ersten Meldungen, dass große Kulturveranstaltungen auch Konzerte an diesem Abend abgesagt werden.

00:18:33: In den Nachrichten wird gesagt das Ding seinen Konzert in der Tuscana geben wird?

00:18:37: Das gibt mir Hoffnung!

00:18:40: Nachdem ich mit meiner Familie telefoniere, rufe ich in der Wiener Stadthalle an um mich zu vergewissern ob die bei Schmott spielen werden.

00:18:48: Es wäre für mich eine Katastrophe in einer fremden Stadt an diesem Abend alleine im Hotelzimmer zu sein, fern beheimat.

00:18:56: Dementsprechend aufgeregt bin ich und es ist nichts Gegenteiliges bekannt sagt mir die Dame vom Vorverkauf am Telefon im Wienerdialekt.

00:19:04: Ich bin unendlich froh eine Zuflucht an diesem Abend zu haben.

00:19:09: Ich fahre zur Konzertlocation und lerne schnell ein paar Wiener an der Getränkebar kennen.

00:19:14: Wir bestellen uns gegenseitig abwechselnd Obstlerrunden, wir diskutieren was die Beschmott zu den Ereignissen in den USA sagen werden?

00:19:23: Werden sie überhaupt etwas sagen?

00:19:25: Das Konzärt geht los nach dem zweiten Song Schmetterdave das klassische Good Evening Vienna in die Zuschauer.

00:19:34: weitere Ansagen kommen nicht!

00:19:36: Die Obstler beginnen zu wirken, das Konzert lässt uns die Katastrophe für den Moment vergessen.

00:20:05: Anschlaf es nicht zu denken, ich muss mich mit jemand austauschen.

00:20:09: Um Mitternacht greife ich zum Handy und wähle die Nummer meines Freundes Thomas D. Wir reden über eine Stunde – Thomas gibt mir Ruhe!

00:20:18: Dass mich nächsten Monat eine Telefonrechnung von über dreihundert Euro erwarten wird ist mir in diesem Moment völlig egal.

00:20:26: So geht der Tag den die Welt nie vergessen wird zur

00:20:29: Ende.".

00:20:32: Der Wiener Kulturredakteur Karl Fluch schreibt anschließend in der Zeitung der Standard eine vernichtende Kritik über das Diebische Motkonzert in seiner Stadt und kritisiert eigentlich alles, vor allem aber dass das Konzert überhaupt stattfindet.

00:20:49: Und betitelt seinen Artikel mit der Überschrift die Grenzen des Eskapismus.

00:20:54: Vielleicht hört er ja meinen Podcast hier zufällig denn es gibt auch eine andere Perspektive.

00:21:01: Die Beschmott werden wahrscheinlich nicht nur für mich ein Zufluchtsort und Trost am elften September zwei Tausend Eins gewesen sein, an einem der schwarzesten Tage der freien Welt bis dahin.

00:21:13: An diesem aufwöhnenden, denkwürdigem Abend allein in der Fremde – In der Wiener Stadthalle gibt mir ihre Musik das Zuhause, Das kleine Stück Heimat, das mir an diesem Abend fehlt!

00:21:24: Dafür werde ich der Band für immer in aller Demut dankbar

00:21:28: sein.".

00:21:31: Warst du auch auf einem der beschriebenen Konzerte, was hast Du für eine die Beschmottgeschichte?

00:21:36: Teile sie mit mir auf Instagram oder Facebook.

00:21:39: Bis zur nächsten Folge Born Into Gta!

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